Steuern, Steuerarten für Freelancer und Freiberufler - Umsatzsteuer, Vorsteuer, Lohnsteuer, Gewerbesteuer

Steuern zahlen: Das sollten Freelancer wissen

Als Freelancer tätig zu sein wird immer beliebter. Damit auch steuerlich alles klappt, geben wir in unserem Artikel Einblick in die wichtigesten Steuerarten.

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Die Einkommenssteuer

Genauso wie natürliche Arbeitnehmer unterliegen Freelancer der Einkommenssteuerpflicht. Wie hoch die Einkommenssteuer ausfällt, richtet sich dabei nach der Höhe des Einkommens.

Bestandteile der Einkommenssteuererklärung

Ein wichtiger Bestandteil der Einkommenssteuererklärung ist die Einnahmenüberschussrechnung (für Freiberufler) bzw. die Bilanz (bei gewerblich Tätige).

Die Einnahmenüberschussrechnung/Bilanz muss in elektronischer Form an das Finanzamt übermittelt werden. Liegen die Einnahmen unter € 17.500 reicht eine plausible Übersicht der Einnahmen und Ausgaben.

Hinzu kommen diverse Formulare, die direkt vom Finanzamt über die Plattform ELSTER zur Verfügung gestellt werden.

Abgabefristen für die Einkommenssteuererklärung

Freelancer, Freiberufler und Selbständige haben maximal bis zum 31.Juli des Folgejahres Zeit Ihre Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt einzureichen.

Das heißt, dass für das Geschäftsjahr 2018 dem Finanzamt die Steuererklärung am 31.Juli 2019 vollständig vorliegen muss.

Wer mit einem Steuerberater zusammen arbeitet, kann eine Fristverlängerung von bis zu 14 Monaten beantragen. Jedoch behalten sich die Finanz-Behörden sich vor, alle gesetzten Fristtermin zu kürzen und eine frühere Abgabe der Steuererklärung zu verlangen.

Wen eine solche Kürzung trifft, hängt vom Zufall ab, kann aber auch damit im Zusammenhang bestehen, dass Fristen in den Vorjahren nicht eingehalten wurden.

Wer zur Vorabgabe aufgefordert wird, muss innerhalb von vier Monaten seine Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt einreichen.

Abgabeform der Einkommensteuererklärung

Ab 2017 müssen Gewerbetreibende und Freiberufler Ihre Steuererklärung ausschließlich online über die Plattform ELSTER beim Finanzamt einreichen.

Ist man nicht in der Lage das Online-Portal zu nutzen, kann beim Finanzamt eine Ausnahmeregelung beantragt werden. Diesem Antrag wird jedoch nur dann zugestimmt, wenn es dem Steuerpflichtigen nicht möglich ist, ohne erheblichen/zumutbarem Aufwand, die Grundlage zur Bedienung der Plattform zu schaffen.

Unterstützung bei der Erstellung der Einkommenssteuerklärung

Die wohl bekannteste Möglichkeit der Unterstützung besteht darin einen Steuerberater mit der Durchführung der Steuererklärung zu beauftragen. Die Arbeit mit einer Steuererklärungs-Software stellt ebenfalle eine sehr gute Möglichkeit dar.

Die Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer ist auch bekannt unter dem Begriff Mehrwertsteuer (Mwst.).

Als Verkehrssteuer zählt sie zu den indirekten Steuern. Das bedeutet, dass sie nicht direkt beim Verbraucher eingezogen wird, sondern indirekt über die Verkäufer von Produkten und Dienstleistungen.

Das verkaufende Unternehmen beziehungsweise der Dienstleister führt dann die Umsatzsteuer an das Finanzamt ab.

Wie hoch ist der Umsatzsteuersatz und wie wird dieser in Rechnung gestellt?

Der reguläre Steuersatz beträgt 19 Prozent, der ermäßigte Steuersatz 7 Prozent. Für die Leistung eines Freelancers fällt grundsätzlich der Steuersatz von 19 Prozent an.

Für die Rechnungsstellung bedeutet dies, dass zwischen Netto- und Bruttopreisen unterschieden wird. Was das bedeutet, soll mit diesem kleinen Beispiel erläutert werden:

Steuern - Beispiel zur Umsatzsteuer - Freelancer

In diesem Beispiel hat der Freelancer also 190 EUR Umsatzsteuer eingezogen. Diese muss nun an das Finanzamt abgeführt werden.

Wie wird die Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt?

Jeder Gewerbetreibende ist dazu verpflichtet im Rahmen einer Umsatzsteuer-Voranmeldung dem Finanzamt die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer anzugeben und entsprechend abzuführen.

Für den Freelancer bedeutet dies, dass er im ersten Schritt beim Finanzamt eine Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer beantragen muss. Diese Identifikationsnummer muss auch auf allen Rechnungen des Freelancers zu finden sein.

Spätestens nach Zuteilung der Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer, wird ihm mitgeteilt, ob er seine Voranmeldung und somit auch die Zahlung monatlich oder vierteljährlich machen muss.

Der Zeitraum ist abhängig vom voraussichtlichen durchschnittlichen Unternehmensumsatz.

In Ausnahmefällen stimmt das Finanzamt auch einer jährlichen Abführung der Umsatzsteuer zu. Die Umsatzsteuererklärung wird über das Online-Portal ELSTER beim Finanzamt eingereicht.

Bei der Umsatzsteuervoranmeldung, gibt der Freelancer jedoch nicht nur seine eingenommene Umsatzsteuer an, sondern auch die gezahlte. Sind seine Einnahmen höher als seine Ausgaben, muss die Differenz, die sich daraus ergibt an das Finanzamt abgeführt werden muss.

Beispiel zur Umsatzsteuer

Der Freelancer hat aus der oben aufgeführten Rechnung 190 EUR Umsatzsteuer eingenommen. Nun hat er ja nur Einnahmen, sondern auch Ausgaben.

Die Umsatzsteuer in den Ausgaben wird als Vorsteuer bezeichnet. Nehmen wir an, er hat folgende Produkte/Dienstleistungen im Abrechnungszeitraum für seine Tätigkeit angeschafft:

Steuern - Beispiel 2 zur Umsatzsteuer - Freelancer

Er hat demzufolge 190 EUR Umsatzsteuer über seine eigene Rechnung eingenommen und 38 EUR Vorsteuer über eine erhaltene Rechnung an einen anderen Unternehmer gezahlt.

Nun darf er folgende Rechnung aufstellen:

Steuern - Beispiel 3 zur Umsatzsteuer - Freelancer

In diesem Fall erhält das Finanzamt einen Betrag von 152,00 EUR. Doch was ist, wenn die Ausgaben höher sind als die Einnahmen?

Was ist, wenn der Rechnungsempfänger nicht in Deutschland ansässig ist?

Werden die Rechnungen an in Deutschland ansässige Unternehmen und Personen gestellt, ist es recht einfach. Hier gehört grundsätzlich die Umsatzsteuer aufgeführt.

Bei im Auslandsitzenden Unternehmen sieht die Sache etwas anders aus. Zur besseren Erklärung soll hier eine einfache Grafik dienen:

Umsatzsteuer EU, Nicht EU, Deutschland

Eine Auflistung aller EU-Staaten finden Sie unter anderen auf Wikipedia.

Die Vorsteuer

Die Vorsteuer ist die Umsatzsteuer, die einem Freelancer beim Erwerb von Dienstleistungen und Produkten in Rechnung gestellt wird.

Da es sich um eine Endverbrauchersteuer handelt, stellt die Vorsteuer, ebenso wie die Umsatzsteuer, für Sie als Freelancer/Unternehmer, einen durchlaufenden Posten dar.

Beispiel zur Vorsteuer

Nehmen wir an Sie haben sich eine neue Hardware angeschafft:

Steuern - Beispiel Vorsteuer - Freelancer

In diesem Fall haben sie € 38,00 Vorsteuer mit dieser Rechnung bezahlt. Diese Vorsteuer können Sie, im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung, mit der Umsatzsteuer verrechnen, die Sie auf Ihren Rechnungen ausgewiesen haben.

Was ist die Zahllast?

Von einer Zahllast wird geredet, wenn die von Ihnen ausgewiesene Umsatzsteuer höher ist als die gezahlte Vorsteuer. Nehmen wir an, Sie haben sich nicht nur die oben aufgeführte Festplatte gekauft, sondern einem Kunden eine Rechnung geschrieben.

Steuern - Beispiel 2 Vorsteuer - Freelancer

Die Zahllast errechnet sich nur, wie folgt:

Steuern - Beispiel 3 Vorsteuer - Freelancer

Der Betrag von € 152,00 ist die Zahllast. Diesen Betrag müssen Sie nun an das Finanzamt im Rahmen Deiner Umsatzsteuervoranmeldung abführen.

Was ist ein Vorsteuerüberhang?

Ein Vorsteuerüberhang entsteht, wenn die Summe der gezahlten Vorsteuer die Summe der eingenommenen Umsatzsteuer überschreitet. Nehmen wir an, Sie haben sich nicht nur eine neue Festplatte gekauft, sondern auch noch einen Schreibtisch.

Steuern - Beispiel Vorsteuerüberhang - Freelancer

Die € 76,00 stellen den Vorsteuerüberhang da. Diesen bekommen Sie vom Finanzamt erstattet.

Die Gewerbesteuer

Eine Gewerbeanmeldung ist für fast alle Existenzgründer Pflicht, für Freelancer die freiberuflich tätig sind, ist dies jedoch nicht notwendig, weshalb in diesem Fall auch keine Gewerbesteuern anfallen.

Wenngleich keine eindeutige Grenze zum klassischen Gewerbe gezogen werden kann, gilt jedoch grundsätzlich, dass wissenschaftliche, künstlerische, erzieherische sowie schriftstellerische Tätigkeiten nicht der Gewerbeordnung unterliegen.

Es ist jedoch auch möglich, als freiberuflicher Freelancer zusätzliche Einkünfte aus einer gewerblichen Tätigkeit zu beziehen – der Status des Freiberuflers bleibt erhalten –, allerdings ist es hierbei unbedingt erforderlich, die freiberuflichen und gewerblichen Arbeiten nicht zu vermischen. Überwiegt Letzteres, werden womöglich alle Tätigkeiten vom Finanzamt als gewerblich eingestuft. Aufgrund dessen sollten dort zuvor etwaige mögliche Freibeträge erfragt werden.

Der Kleinunternehmer – Die Ausnahme von der Regel

Hat der Freelancer im vorherigen Kalenderjahr einen Netto-Umsatz von unter 17.500 EUR erzielt und erwartet im laufenden Geschäftsjahr weniger als 50.000 EUR Netto-Umsatz, so kann er sich von der Abführung der Umsatzsteuer befreien lassen und muss dies auf seinen Rechnungen vermerken.

Im Gegenzug kann er jedoch auch nicht die gezahlte Vorsteuer geltend machen. Diese Regelung kann der Freelancer nutzen, muss es aber nicht.

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Dieser Artikel wurde zuletzt überarbeitet am 19.11.2018

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2 Gedanken zu „Steuern zahlen: Das sollten Freelancer wissen

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