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Rentenversicherung für Selbstständige – lohnt sich das?

Viele Berufstätige stehen vor der großen Frage, wie viel Rente sie erwartet, wenn es einmal soweit ist. Die meisten sorgen mittlerweile selbst vor und bilden Rücklagen, um sich auch im Alter einen gewissen Lebensstandard leisten zu können. Zahlreiche Selbständige sind unterdessen froh, nicht „sinnlos“ in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu müssen, denn diese Entscheidung ist Freiberuflern selbst überlassen. Hier erfahren Sie, welche Ausnahmen es gibt und was Sie bei der Entscheidung für oder gegen die Rentenversicherung beachten sollten.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Die rentenversicherungspflichtigen Freiberufler

Selbstständige sind nicht rentenversicherungspflichtig? Von wegen! Es gibt einige Ausnahmen. Wenn Sie Freelancer sind, aber zu einer der folgenden Berufsgruppen gehören, müssen Sie in die gesetzlichen Rentenversicherung einzahlen.

  • Handwerker
  • Lehrkräfte und Nachhilfelehrer
  • Trainer, Coaches und Moderatoren
  • Erzieher und Tagesmütter
  • Beschäftigte in der Pflege
  • Hebammen
  • Seelotsen
  • Küstenfischer und Küstenschiffer
  • Künstler, Autoren und Journalisten
  • Freiberufler, die überwiegend für einen Auftraggeber tätig sind – Stichwort Scheinselbständigkeit

Hier gibt es jedoch auch wieder einige Ausnahmen. Nicht rentenversicherungspflichtig sind zum Beispiel Lehrer, die mit ihrer Tätigkeit regelmäßig weniger als 450 Euro im Monat verdienen. Genauso wie Selbständige, die einen Arbeitnehmer eingestellt haben, auch Azubis zählen dazu. Die Einstellung eines Minijobbers wiederum reicht nicht aus, um der Rentenversicherungspflicht zu entgehen.

Freiwillige Rentenversicherung für Selbständige: Zahlen Sie, soviel Sie wollen

Als Selbständiger können Sie sich aktuell selbstverständlich auch freiwillig versichern (Wobei hier auch über eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige in der Politik diskutiert wird). Dabei können Sie selber bestimmen, wie viel Sie in die Rentenversicherung einzahlen möchten, sprich: wie hoch Ihr Beitrag sein soll und wie viele Beiträge Sie pro Jahr zahlen möchten. Der Mindestbeitrag beträgt im Jahr 2018 monatlich € 83,70. Der Höchstbeitrag beträgt monatlich € 1.209,00. Die Höhe Ihrer zukünftigen Rente hängt dann natürlich von den eingezahlten Beiträgen ab. Die Werte werden jeweils zum 1. Juli eines jeden Jahres angepasst.

Gar nicht so einfach: Als Selbständiger können Sie selbst entscheiden, wie Sie Ihr Geld für die Altersvorsorge anlegen.

Wann sollten Selbständige die gesetzliche Rentenversicherung in Betracht ziehen?

Wenn Sie bereits Beiträge zur gesetzlichen Altersvorsorge gezahlt haben, sollten Sie sich überlegen, ob Sie dies nicht auch zukünftig tun wollen. Rentenanspruch besteht nämlich erst dann, wenn Sie mindestens fünf Jahre Beiträge eingezahlt haben. Waren sie zum Beispiel vor Ihrer Selbstständigkeit berufstätig, haben Sie automatisch schon eingezahlt. Dann sollten Sie die fünf Jahre zumindest voll machen, damit Sie auch etwas von dem Geld wieder sehen. Mit jedem eingezahlten Betrag erhöht sich natürlich Ihr Rentenanspruch.

Ähnlich verhält es sich, wenn Sie vorzeitig in Rente gehen wollen. Wenn Sie sich mit 63 aus der Arbeitswelt verabschieden wollen, müssen Sie 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Wenn Sie nur noch ein paar Jahre zu dieser Grenze fehlen, lohnt es sich durchaus, diese vollzumachen.

Wer 15 Jahre eingezahlt hat, hat immerhin Anspruch auf Reha-Leistungen aus der Rentenkasse. Sprich: Sie können auf Kosten der Rentenversicherung auf Kur gehen. Fehlen Ihnen nur noch wenige Jahre bis zu dieser Grenze, dann sollten Sie dies auf jeden Fall in Ihre Überlegungen einfließen lassen.

Schließlich ist die gesetzliche Rentenversicherung immer noch eine sehr sichere Sache. Neben vielen spekulativen Geldanlagen, die in Zeiten sinkender Zinsen immer häufiger für die Vermögensbildung in Betracht gezogen werden, bietet sie ein kleines aber feines Finanzpolster.

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Was bringt die gesetzliche Altersvorsorge?

Die gesetzliche Rentenversicherung tritt nicht nur im Falle Ihrer Pensionierung in Kraft. Neben der Altersrente stehen Ihnen im Fall der Fälle weitere Leistungen zu:

  • Altersrente
  • Erwerbsminderungsrente, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten können
  • Hinterbliebenen- oder Waisenrente, die im Todesfall Ihren Angehörigen zugutekommen
  • Reha-Leistungen ab einem Versicherungszeitraum von 15 Jahren

Selbständige, die im Alter abgesichert sein wollen, sollten abwägen, ob es sich lohnt, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Wann sollte man als Freelancer von der gesetzliche Rentenversicherung absehen?

Eine niedrige oder gar keine gesetzliche Altersrente kann jedoch auch Vorteile haben. Deswegen sollte Freelancer die folgenden Punkte bedenken, wenn vor der Entscheidung stehen, (weiterhin) in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen oder nicht.

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Ein wichtiger Faktor ist die Einkommenssteuer, die mit der Altersrente steigt. Wer weniger Rente erhält, muss hier weniger bezahlen. Bis zu einem gewissen Grundfreibetrag (Existenzminimum) müssen gar keine Steuern bezahlt werden.

Wer bisher nur wenige Beiträge in die gesetzliche Altersvorsorge eingezahlt und eine entsprechend niedrige Rente aus diesem Topf zu erwarten hat, sollte ebenfalls bedenken, dass man mit einer niedrigen Altersrente bei der Krankenkasse kostenlos familienversichert ist und damit wiederum eine Menge Geld sparen kann. Dieses Konstrukt eignet sich vor allem dann, wenn man finanziell noch anderweitig vorgesorgt hat.

Letztlich ist natürlich auch die vergleichsweise geringe Rendite für viele ein Grund, die Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen und sich gegen eine gesetzliche Rentenversicherung zu entscheiden.

Fazit

Die gesetzliche Rentenversicherung für Freelancer ist ein sehr umfangreiches Thema. Ob sich die gesetzliche Altersvorsorge lohnt, ist in der Regel nur individuell feststellbar. Während einige Berufsgruppen trotz Selbständigkeit verpflichtet sind, Beiträge zu bezahlen, hängt es bei anderen vom jeweiligen Einzelfall ab. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich etwas genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Teilweise kann man hier richtig viel Geld sparen.

Dieser Artikel wurde am 05.07.2018 aktualisiert

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3 Gedanken zu „Rentenversicherung für Selbstständige – lohnt sich das?

  1. Pingback: Wie Freiberufler ihre Selbstständigkeit sichern

  2. AvatarMarc

    Hallo,
    ich beschäftige mich mit dem Thema besonders, weil mir bis zu meinem gesetzten Rentenbeginn
    zw. 60 u. 65 nur noch 16- 21 Jahre bleiben. Ich habe meine ALV bisher nur auf Lebensversicherungen
    gestützt, die jedoch a) seit 25 Jahren laufen u. b) somit Steuerfrei ausgezahlt werden. Freie Gelder stecke
    ich ab jetzt in ETF-Fonds. Aaaaaber,…..ich überlege ernsthaft, ob nicht auch freiwillige Beiträge in die GRV
    fließen sollten. Was meinen Sie ? Ich müsste mal erfahren, wie hoch diese sind. Derzeit gehe ich davon aus, dass
    das Geld grade mal 1:1 (wenn überhaupt) wiederkäme, wohingegen Erspartes (Fonds z.B.) wenigstens noch verzinst werden.
    Gibt es einen Ratschlag ?
    Und jetzt, was ich nicht verstehe: Es liest sich, als wäre ich als PKV versicherter in der Möglichkeit hier rauszukommen und
    GKV versichert zu sein ? Da geht doch nicht, oder nun doch ? – Bringt es denn – vllt auch aus sich der Krankenversicherung – Vorteile sich GKV zu versichern ? Ich meine was von PKV Zuschuss gelesen zu haben.

    1. AvatarKlaus 1eisenblätter

      Hallo Marc,
      nein, mit freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung wirst Du kein Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Thema Krankenversicherung ist sowieso sehr eigen. Meines Wissens nach hat die GKV, auch bei Minirenten von GKV versicherten Selbständigen, das Recht einen Beitrag nach Einkommen zu verlangen. Der Rentner muss dann seine weiteren Einkommen offenlegen und den vollen Versicherungsbeitrag bis zur Beitragspflichtgrenze (4,.425,–€ mtl.) selber zahlen. Denn der GKV versicherte Selbständige kann nur freiwilliges Mitglied in der GKV sein und ist damit auch freiwilliges Mitglied der KVdR (Krankenversicherung der Rentner). Siehe hierzu Punkt 12.3

      https://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/217498/publicationFile/52566/R0815.pdf

      Dies ist leider auch im obenaufgeführten Beitrag von Frau Heimer meiner Meinung nach auch missverständlich dargestellt.

      Selbstverständlich ersetzt diese meine Meinung nicht eine Rechtsberatung durch einen sach- und fachkundigen Anwalt.

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