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Nebenberuflich selbstständig – darauf müssen Sie achten

Nebenberuflich selbstständig – was bedeutet das? Worauf müssen Sie in Bezug auf Steuern, Versicherungen und Altersvorsorge achten?

Wir geben viele wertvolle und praxisorientierte Tipps zur nebenberuflichen Selbstständigkeit.

Inhalt – nebenberuflich selbstständig:


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Was bedeutet nebenberuflich selbstständig sein?

Eine einheitlich gültige Definition für eine nebenberufliche Selbstständigkeit gibt es nicht. Sowohl Behörden als auch Sozialversicherungen haben unterschiedliche Merkmale für diesen Status festgelegt.

Die Bundesagentur für Arbeit sagt:

Nebenberuflich selbstständig ist, wer weniger als 15 Stunden pro Woche in die Selbstständigkeit investiert.

Diese Aussage gilt jedoch nur, wenn die Haupttätigkeit 35 Arbeitsstunden pro Woche überschreitet. umfasst.

Die meisten Krankenkassen sagen:

Eine nebenberufliche Selbständigkeit liegt vor, wenn:

  • mehr Arbeitszeit in eine Angestelltentätigkeit investiert wird, als in die Selbstständigkeit.
  • das Einkommen der Festanstellung höher ist als das Einkommen aus der Selbstständigkeit.

Familienversicherte Hausfrauen und Hausmänner dürfen maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten. Ihr Gewinn muss unter 445 € (Stand 2019) monatlich liegen.

Das Finanzamt sagt:

Egal, ob haupt- oder nebenberuflich selbstständig, es fallen Steuern an. Die Höhe der Steuern hängt natürlich vom Einkommen ab, aber auch von der Art der Selbstständigkeit.

Zusammenfassend sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie sich an folgender Definition orientieren:

Nebenberuflich selbstständig ist, wer weniger als 15 bis 20 Stunden pro Woche bzw. weniger Stunden in seine Selbstständigkeit investiert als in den Hauptjob und zudem weniger Geld verdient als in der Haupttätigkeit.

Wo melden Sie eine nebenberufliche Selbstständigkeit an?

Ihre Selbstständigkeit melden Sie beim Gewerbeamt an. Das Gewerbeamt gibt die Meldung an das Finanzamt, die IHK und die Berufsgenossenschaften weiter.

Finanzamt, IHK und Berufsgenossenschaften senden Ihnen im Anschluss einige Formulare zur Erfassung und Statusbestimmung zu.

Als Freiberufler*in melden Sie ihre Tätigkeit nur beim Finanzamt an. Das Finanzamt sendet Ihnen im Anschluss diverse Formulare zu, um den Freiberufler-Status zu erfassen

Den Unterschied zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern erfahren Sie in unserem Beitrag:

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Welche Steuern müssen Sie zahlen?

Mit einem Gewerbe können folgende Steuerarten auf Sie zukommen:

Wird Ihr Status als Freiberufler*in bestätigt, fällt lediglich die Einkommenssteuer an.

Einkommenssteuer

Je nach Höhe des Gewinns (Umsatz minus Ausgaben) zahlen Sie zwischen 0 und 42 Prozent Einkommenssteuern. Dieses Geld sollten Sie von Anfang an zurücklegen. So sparen Sie sich böse Überraschungen, wenn der Steuerbescheid ins Haus kommt.

In Abhängigkeit von Ihrer Lebenssituation können Sie verschiedene Freibeträge nutzen, die Ihre Steuerlast mindern. Welche das genau sind, erfahren Sie unter anderen bei Ihrem Finanzamt.

Umsatzsteuer

Jeder Selbstständige muss Umsatzsteuer abführen.

Lag Ihr Umsatz jedoch im vergangenen Geschäftsjahr unter 17.500 € und beträgt er im aktuellen Geschäftsjahr noch unter 50.000 €, können Sie sich mit Hilfe der Kleinunternehmerregelung von der Abführung der Umsatzsteuer befreien lassen. Im Umkehrschluss dürfen sie aber auch keine Vorsteuer geltend machen.

Als Freiberufler zahlen Sie prinzipiell keine Umsatzsteuer.

Gewerbesteuer

Gewerbesteuern müssen Sie zahlen, wenn der Jahresgewinn Ihrer Selbstständigkeit über 24.500 € liegt.

Noch mehr Informationen zum Thema „Steuern und nebenberufliche Selbstständigkeit“ finden sie in unserem Artikel:

Welche Sozialversicherungen fallen bei der nebenberuflichen Selbständigkeit an?

In der Regel sind Ihre Sozialversicherungsbeiträge über Ihre hauptberufliche Tätigkeit als Angestellte*r abgedeckt.

Zu den Sozialversicherungen gehören:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung

Kranken- und Pflegeversicherung

Informieren Sie Ihre Krankenkasse über die nebenberufliche Selbstständigkeit. Diese wird Ihnen einen Fragebogen zur Prüfung auf hauptberufliche Selbstständigkeit zukommen lassen. Diesen Fragebogen erhalten Sie von nun an jedes Jahr.

Sollte die Krankenkasse zu der Erkenntnis kommen, dass Ihr selbstständige Tätigkeit überwiegt, müssen Sie für Ihre Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung selbst aufkommen.

Manche Krankenkasse entscheiden sich auch für „Mischzahlungen“. Das heißt, ein Teil der Versicherungsbeiträge wird über das Angestelltenverhältnis bezahlt und einen Teil zahlen Sie aus eigener Tasche.

Als Selbstständiger haben Sie zwei Optionen hinsichtlich der Krankenversicherung:

  • Sich freiwillig gesetzlich zu versichern.
  • Sich über eine private Krankenkasse zu versichern.

Welche davon für Sie persönlich besser ist, hängt vom Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand ab. Weitere Informationen zum Thema Krankversicherung finden Sie in unserem Beitrag:

Rentenversicherung

Die Rentenversicherung müssen Sie im Fall einer nebenberuflichen Selbstständigkeit nicht informieren. Erst wenn Sie aus dem Nebengewerbe in ein Hauptgewerbe wechseln, ändert sich die Situation.

Wenn Sie sich unsicher sind in Bezug auf Ihren Status, helfen Ihnen die Mitarbeiter*innen der Deutschen Rentenversicherungsanstalt weiter.

Weiterführende Informationen zur Rentenversicherung haben wir für Sie in dem Artikel zusammengefasst:

Arbeitslosenversicherung

Der Bundesagentur für Arbeit müssen Sie ebenfalls keine Meldung unterbreiten. Die Arbeitslosenversicherung wird über den Hauptjob abgedeckt.

Soziale Absicherung

Wenn Sie sich ausschließlich über Ihre hauptberufliche Tätigkeit absichern, beachten Sie bitte, dass im Fall von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Rente nur Ihr Einkommen aus dieser Haupttätigkeit als Berechnungsgrundlage gewertet wird.

Prüfen Sie, ob eine zusätzliche private Absicherung sinnvoll ist. Um sich abzusichern, stehen Ihnen unter anderem folgende Versicherungen zur Verfügung:

  • Private Kranken- und Pflegeversicherung / Zusatzversicherung
  • Private Altersvorsorge
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Unfallversicherung

Muss der Arbeitgeber der Nebenberuflichen Selbstständigkeit zustimmen?

Grundsätzlich haben Sie das Recht, nebenberuflich selbstständig zu sein. Wir empfehlen Ihnen,

  • Ihren Arbeitsvertrag auf Klauseln zu Nebentätigkeiten zu prüfen.
  • Ihren Arbeitgeber über die Selbstständigkeit in Kenntnis zu setzen.
  • eine schriftliche Genehmigung vom Arbeitgeber einzuholen.

Eine Selbstständigkeit neben einer Festanstellung ist unproblematisch, wenn Sie sich an folgende Regeln halten:

  • Trennen Sie Hauptjob und Selbstständigkeit klar voneinander.
  • Arbeiten Sie nicht im direkten Wettbewerb zum Arbeitgeber.
  • Nehmen Sie keinen Auftrag von einem direkten Wettbewerber des Arbeitgebers an.
  • Lassen Sie den Hauptjob nicht unter der nebenberuflichen Selbstständigkeit leiden.
  • Bei Krankheit und Urlaub ruht auch die Selbstständigkeit.

Sollten Sie gegen einen oder mehrere dieser Punkte verstoßen, hat der Arbeitgeber entsprechenden Handlungsspielraum. Er kann:

  • die nebenberufliche Selbstständigkeit untersagen.
  • Ihren Arbeitsvertrag kündigen.

Bleiben Sie Ihrem Arbeitgeber gegenüber fair. Vielleicht soll aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit irgendwann ein Vollzeitjob werden. Dann ist es für Sie von Vorteil, ein gutes Verhältnis zueinander zu haben. So kann aus einem Arbeitgeber ein Auftraggeber werden.

Wie viel kann und darf ich nebenberuflich selbstständig verdienen?

Grundsätzlich dürfen sie so viel verdienen der Erfolg Ihres Geschäftsmodells hergibt.

Dennoch gibt es ein paar Regelungen:

1. Verdienen Sie mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit mehr als in ihrem Hauptjob, fallen Sozialversicherungsbeiträge an. Sie verlieren somit den Status „nebenberuflich selbstständig“.

2. Empfangen Sie ALG I, ALG II oder BAföG, so gibt es feste Grenzen, über die hinaus Ihr Leistungsumfang ganz oder vollständig entfällt. Diese Grenzen betragen:

  • ALG I bis zu € 165 monatlich.
  • ALG II bis zu € 100 monatlich.
  • BAföG-Empfänger bis zu € 5.400 pro Jahr.

Ist Ihr Einkommen oberhalb der genannten Grenzen, werden Ihnen die Bezüge entsprechend bestimmter gesetzlicher Regelungen angerechnet. So dürfen ALG II – Bezieher die ersten verdienten 100 € im Monat voll behalten und darüber hinaus bis 1000 € Monatseinkommen 20 Prozent behalten. Zu berücksichtigen ist, dass diese Zahlen vom Gesetzgeber relativ oft geändert werden – prüfen Sie bitte regelmäßig die aktuelle Gesetzeslage.

3. Familienversicherte Hausfrauen und Hausmänner dürfen einen monatlichen Gewinn von maximal 445 € (Stand 2019) erzielen. Übersteigt der Gewinn diesen Betrag, so müssen Sie sich selbstständig sozialversichern.

Sprechen Sie vor der Aufnahme der nebenberuflichen Selbstständigkeit unbedingt mit Mitarbeiter*innen der zuständigen Behörden und Ihrer Krankenkasse.

Gibt es Fördergelder für die nebenberufliche Selbstständigkeit?

Auch für Menschen, die sich nebenberuflich selbstständig machen, gibt es Fördergelder und Förderprogramme vom Staat.

Die meisten dieser Fördergelder müssen Sie vor der Anmeldung Ihrer Selbstständigkeit beantragen.

Da das Angebot zum Teil sehr umfangreich ist, empfehlen wir Ihnen, sich ausführlich beraten zu lassen. In einem professionellen Beratungsgespräch erfahren Sie welche Fördermittel für Sie in Frage kommen und wie Sie diese beantragen.

Derlei Beratungsstellen finden Sie unter dem Begriff Existenzgründungsberatung sicher auch in Ihrer Nähe. Manche Kommunen haben eigene Gründerzentren an die Sie sich wenden können.

Welche Rechtsform ist geeignet?

Die meisten Gründer wählen das Einzelunternehmen oder die GbR, wenn sie zusammen mit einer oder mehreren anderen Personen gründen.

Sie können aber auch jede andere Unternehmensform wählen. Hierzu gehören unter anderen die UG und die GmbH.

Je nach Geschäftsmodell und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln haben alle Geschäftsformen Ihre Vor- und Nachteile. Auch der Aufwand für die Gründung ist unterschiedlich hoch.

Auf dem Bild sehen Sie eine Tabelle, die die Rechtsformen vergleicht, die für eine nebenberufliche Selbstständigkeit geeignet sind.
Rechtsformen im Vergleich

Nebenberuflich Selbstständig und Scheinselbstständigkeit?

Auch als nebenberuflich Selbständige*r können sie scheinselbstständig sein.

Als Scheinselbstständige werden Personen bezeichnet, die laut Vertrag selbstständig sind, deren Art der Arbeit jedoch der eines Angestellten ähnelt.

Um eine solche Scheinselbstständigkeit und die damit verbundenen finanziellen Risiken zu verhindern, informieren Sie sich am besten darüber, wie sich eine Selbstständigkeit von einer Scheinselbstständigkeit unterscheidet.

Einen ausführlichen Artikel hierzu finden Sie unter folgendem Link:

Welche Vorteile bietet eine nebenberufliche Selbstständigkeit?

  • Geschäftsideen können mit geringerem Risiko erprobt werden.
  • Die Kosten für Sozialversicherungen sind niedriger.
  • Sie haben ein zusätzliches Einkommen und werden finanziell unabhängiger.

Welche Nachteile haben nebenberuflich Selbstständige?

  • Berufliche Doppel- beziehungsweise Mehrfachbelastung
  • Weniger Freizeit
  • Hohe Anforderungen an die eigene Disziplin

Welche Fähigkeiten sollten Sie mitbringen?

Nebenberuflich Selbständige habe in der Regel folgende Gemeinsamkeiten:

  • Sie sind flexibel.
  • Sie verfügen über ein gutes Organisationstalent / Zeitmanagement.
  • Sie sind diszipliniert.

Unser Fazit

Insbesondere für Freelancer und Freiberufler geht der Weg in die Selbstständigkeit meist über eine nebenberufliche Selbstständigkeit.

Sie können mit einem geringen finanziellen Risiko starten, haben aber im Gegenzug eine höhere Arbeitsbelastung.

Je nach Unternehmensform ist die Gründung einfach oder etwas komplexer.

Wir empfehlen Ihnen, sich vor dem Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit umfassend beraten zu lassen oder sich durch Fachbücher in das Thema einzuarbeiten.

Weitere interessante Themen:

Für nebenberuflich Selbstständige können Bürogemeinschaften und Coworking Spaces eine interessante Möglichkeit aufzeigen, günstig Büroflachen anzumieten.

In den folgenden Beiträgen erfahren Sie mehr zu diesen Büroformen:

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6 Gedanken zu „Nebenberuflich selbstständig – darauf müssen Sie achten

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  3. AvatarMonika Helmes

    Mir fehlt noch der Hinweis für Rentner! Es ist ein Unterschied ob ich aus irgendeinem Grund vorzeitig in den Ruhestand gegangen bin und die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, bzw. bereits diese erreicht habe und mich trotzdem nebenberuflich Selbständig machen will. Hier lauern einige Fallstricke!

    1. AvatarBeatrice Schmidt Beitragsautor

      Vielen Dank für den Hinweis. Wir werden hier gern noch weiter recherchieren und den Artikel im Anschluß ergänzen.

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