Freiberufler werden - ein Artikel von projektwerk

Mit Gewerbe oder Freiberufler werden? Darauf müssen Sie achten

Sie möchten Freiberufler werden, auf selbstständiger Basis? Dieser Artikel befasst sich damit, welche Berufsgruppen freiberuflich tätig werden können und wo die Vor- und Nachteile dieser Tätigkeit liegen. Auch wird der Unterschied zwischen freier Mitarbeiter, Freelancer und Freiberufler geklärt.

Projekte und Jobs für Freelancer

Eine Frage der Definition

Die Begriffe freier Mitarbeiter, Freelancer und Freiberufler werden oft synonym genutzt, dabei handelt es sich hierbei um drei zum Teil vollkommen Unterschiedliche Arten der Tätigkeit. Bevor wir auf unser Kernthema eingehen, erstellen wir daher eine kurze Definition aller drei Beschäftigungsarten.

Der freie Mitarbeiter

Ein freier Mitarbeiter kann sowohl ein Freiberufler als auch ein Freelancer sein. Wichtig hierbei ist, dass dieser freie Mitarbeiter eine selbstständige Tätigkeit ausführt. Die Basis seiner Tätigkeit ist eine vertragliche Vereinbarung (z.B.: freier Mitarbeiter-Vertrag) mit seinem Auftraggeber.  Das bedeutet, dass der freie Mitarbeiter auf eigene Rechnung tätig ist und allein das wirtschaftliche Risiko seiner Selbstständigkeit trägt.

Der Freelancer

Der Freelancer kann prinzipiell als freier Mitarbeiter innerhalb eines Unternehmens angesehen werden. Er kann über einen Dienstleistungsvertrag, einen Honorarvertrag oder auch einen Werkvertrag für den Auftraggeber tätig sein. Er arbeitet daher auf eigene Rechnung und ist allein für das wirtschaftliche Risiko seiner Selbstständigkeit verantwortlich.

Der Freiberufler

Wer Freiberufler werden möchte, hat die Wahl. Er kann tätig sein als

  • Selbstständiger Freiberufler
  • Freier Mitarbeiter
  • Angestellter mit Arbeitsvertrag

Die Bezeichnung Freiberufler bezieht sich auf fest definierte Katalogberufe. Diese sind im Einkommensteuergesetz (EStG) § 18 definiert.

Die freien Berufe

Laut dem Einkommensteuergesetz zählen folgende Berufe zu den freien Berufen (Katalogberufe):

  1. Heilberufe:
  • Ärzte, Tierärzte, Zahnärzte
  • Heilpraktiker, Krankengymnasten, Heilmasseure
  • Hebammen
  • Diplom-Psychologen
  1. Steuer-, wirtschafts- und rechtsberatende Berufe:
  • Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte
  • Wirtschaftsprüfer
  • Steuerbevollmächtigte, Steuerberater
  • vereidigte Buchprüfer
  • beratende Betriebs- und Volkswirte
  1. Technische und naturwissenschaftliche Berufe:
  • Wissenschaftler
  • Lotsen
  • Ingenieure
  • Handelschemiker
  • Architekten, Stadtplaner
  • hauptberufliche Sachverständige
  1. Kulturberufe und informationsvermittelnde Berufe:Stastik zur Freiberufler werden
  • Journalisten, Dolmetscher, Übersetzer, Bildberichterstatter, Schriftsteller
  • Lehrer, Erzieher
  • Künstler, Designer
  • Dozenten
  1. Ähnliche Berufe

Im Sinne des EStG sind in Deutschland rund 1,3 Million Selbstständige Freiberufler aktiv, Tendenz steigend. Einige der „neuen“ Berufe, wie beispielsweise IT-Berater, sind noch nicht klar definiert. Hier entscheidet das Finanzamt darüber, ob es sich im Einzelfall um einen freien Beruf handelt oder eben nicht. Da das Dasein eines Freiberuflers durchaus Vorteile hat, lohnt sich oftmals eine Überprüfung.

Vorteile des freiberuflichen Arbeitens

Wer Freiberufler werden möchte, muss seine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt anmelden. Das Finanzamt entscheidet dann darüber, ob es sich tatsächlich um einen freien Beruf handelt oder ob die Tätigkeit einen gewerblichen Charakter zuzuschreiben ist.

Wer zur Gruppe der freien Berufe gehört, hat gewisse Vorteile gegenüber einer selbstständigen Gewerbetätigkeit. Besonders vorteilhaft ist: Man muss kein Gewerbe anmelden.

Weitere Vorteile, die Freiberufler haben:

  • kein Eintrag ins Handelsregister
  • keine Pflicht, Mitglied der IHK zu sein
  • Umsatzsteuerabführung bei Geldeingang
  • keine doppelte Buchführung
  • es fallen (im Regelfall) keine Kammerbeiträge an
  • profitieren (teilweise) von der Künstlersozialversicherung

Bei den genannten Katalogberufen gibt es keinen Zweifel; schwieriger ist es bei neuen Berufen, die sich seit dem 20. Jahrhundert entwickelt haben. Insbesondere in der IT-Branche neigt das Finanzamt dazu, ihnen einen gewerblichen Charakter zuzuschreiben.

Nachteile des freiberuflichen Arbeitens

Wer Freiberufler werden möchte, sollte sich auch über die Nachteile bewusst sein:

  • persönlich haftende Freiberufler haben gegenüber Kapitalgesellschaften einen Nachteil
  • einige Freiberufler müssen Pflichtversicherungen abschließen
  • Werbeverbot für einige Berufe

Gewerbe oder Freiberuflich?

Aus den Nachteilen ergeben sich zusammengefasst zwei grundlegende Ergebnisse:

  • Wenn Sie als Dienstleister arbeiten, bietet sich die freiberufliche Tätigkeit an
  • Wenn Sie beispielsweise Produkte verkaufen oder herstellen möchte, sind Sie als Gewerbetreibender besser bedient

Hinzu kommen noch steuerliche Gesichtspunkte.

Bei einem freiberuflich tätigen Freelancer fällt grundsätzlich keine Gewerbe- und Körperschaftssteuer an. Überschreitet der jährliche Umsatzt den Betrag von € 17.500, so kommt die Umsatzsteuer noch dazu.

Bei Gewerbetreibenden fällt eine Gewerbesteuer an. Die Höhe der Gewerbesteuer richtet sich nach dem erzielten Gewerbeertrag. Hinzu kommt die Körperschaftssteuer. Die Höhe der Körperschaftssteuer richtet sich nach der Höhe des Einkommens, welches aus der Unternehmung erzielt wird.

Aus rein steuerlicher Sicht betrachtet macht es also durchaus Sinn darüber nachzudenken sich als Freiberufler anerkennen zu lassen.

Wichtige Versicherungen

Lassen Sie sich in Punkto Versicherungen gut beraten. AUch hier gibt es ein paar Unterschiede. Neben einer Krankenversicherung und der Altersvorsorge, sind auch Themen wie Verdienstausfall, Berufshaftspflichversicherungen etc. von relevanz.

Wenn Sie sich in einem künstlerischem Umfeld bewegen, sollten Sie auch prüfen, ob Sie sich über die Künstlersozialkasse sozialversichern können.

Parallel Freiberufler und Gewerbetreibender sein

Haben Sie Schwierigkeiten, als Freiberufler kategorisiert zu werden, gibt es eine simple Lösung: Sie arbeiten sowohl als Freiberufler als auch Gewerbetreibender. Arbeitstätigkeiten, die ohne Frage den freien Berufen zugeordnet werden können, werden zusammen gelagert; für den Rest können Sie ein Gewerbe anmelden.

Zugegeben: Diese Lösung ist aus organisatorischer Sicht komplizierter, jedoch kann sie sich in bestimmten Fällen lohnen. Ob das auch bei Ihnen der Fall ist, kann ein Steuerberater sicherlich am besten beantworten.

Die Tätigkeit entscheidet, ob Sie Freiberufler werden

Die Rechtslage der freien Berufe ist aufgrund der Begriffe „und ähnlicher Berufe“ schwammig. Das Finanzamt entscheidet am Ende, ob Sie Ihre Tätigkeit als Freiberufler ausüben können. In bestimmten Fällen kann es sich daher lohnen, sowohl als Freiberufler als auch Gewerbetreibender zu arbeiten.

Unsere Buchempfehlungen

Zum Thema Freiberufler werden bzw. sein gibt es jede Menge Bücher. Unsere Top 3 Buchempfehlungen sind:

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Weitere Artikel

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Dieser Artikel wurde am 13.08.2018 aktualisiert.

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