Freelancergehalt – immer wieder ein heißes Thema

Welchen Stundensatz Du als Freelancer erhältst, ist von Dir selbst abhängig. Du allein bestimmst, was Deine Arbeit wert ist. Doch trotzdem (oder gerade deswegen?) ist das Gehalt unter Freelancern immer wieder ein großes Thema. Denn was so schön und einfach klingt, birgt für viele Freiberufler große Schwierigkeiten. Man will sich nicht unter Wert verkaufen, gleichzeitig aber auch nicht dem Projektanbieter mit einer für ihn zu hoch angesetzten Vergütung vor den Kopf stoßen.

Generell sprechen wir nicht gerne über genaues Gehalt, Vermögen und Besitz. Dass Geld ein eher unangenehmes Thema ist, über das man nur selten und hinter vorgehaltener Hand spricht, wird uns schon von klein auf beigebracht. Wenn wir dann im Berufsleben während eines Vorstellungsgespräch auf die Frage: „Welches Gehalt schwebt Ihnen denn vor?“ antworten müssen, ist das eine eher unangenehme Situation. Aus Angst, schlecht anzukommen (beispielsweise zu gierig oder sogar eitel zu wirken) und um konkurrenzfähig zu bleiben, schlagen die meisten Freelancer einen Stundenlohn vor, der unter dem liegt, was sie sich wünschen und auch verlangen könnten.

Doch wie berechnet ein Freelancer sein Gehalt (fair)?

Oberste Priorität ist natürlich, dass die Einnahmen die Ausgaben decken. Das klingt nach einer logischen Selbstverständlichkeit. Aber schon hier hapert es bei vielen Freelancern, da sie häufig vergessen, wichtige Faktoren in die Ausgaben einzukalkulieren.

Neben den typisch anfallenden Kosten für Sozial-, Renten und Pflegeversicherung muss man sich als Freelancer auch darüber im Klaren sein, wie man sich für den Krankheitsfall oder bei Auftragslücken absichert und dass man natürlich nicht 365 Tage im Jahr arbeiten kann.

Gerne vergessen werden auch die laufenden Kosten für Geschäftsausstattung, Software, Lizenzen, Weiterbildungen, Beratungen oder Anfahrten, Telefongespräche und Büromaterial. Auch sie müssen mit Hilfe des Stundenlohns finanziert werden, da man ja als Freelancer für all diese Dinge selbst die Verantwortung und somit die Kosten trägt.

Und wie setze ich meine Gehaltsvorstellungen durch?

Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, in einer Gehaltsverhandlung ihre konkreten Vorstellungen zu erläutern und diese dann auch durchzusetzen. Hier ein paar gedankliche Stützen, die Dir beim nächsten Mal sicher weiterhelfen:

  • Steh zu Deinem Können! Du bist eine Fachkraft und das Unternehmen benötigt genau DICH für das Projekt. Sei selbstbewusst und sieh Deine Fähigkeiten als wertvoll an, die auch entsprechend vergütet werden müssen.
  • Überleg Dir vorher genau, welchen konkreten Betrag Du Dir wünschst und welche Grenzen Du nach oben und unten setzen kannst. Hierzu solltest Du eine genaue Kostenkalkulation vornehmen. Das bringt automatisch Sicherheit im Gespräch.
  • Freelancer sind aufgrund der aufgehellten Wirtschaftslage und dem vorherrschenden Fachkräftemangel sehr gefragt, d.h. die Unternehmen sind aktuell sehr kulant, da sie Euch als Fachpersonal dringend benötigen. Dies solltest Du als Motivation für Dich immer im Hinterkopf behalten.
  • Werde Dir über die Situation klar: viel mehr als ein „Nein, soviel werden wir nicht zahlen“ kann nicht passieren – und dann bleibt immer noch Verhandlungsspielraum.
  • Häufig wird ein Lohnvergleich zu den Festangestellten gezogen. Diese müssen jedoch nicht für Freelancer anfallende Zusatzkosten wie Renten- und Arbeitsversicherung, Krankenkasse und Steuerberatung selbst tragen. Ebenso werden keine Rücklagen für die Zeit zwischen den Projekten benötigt. Berücksichtigen!

 

Einen tollen Leitfaden zur Kostenkalkulation für Freelancer findet Ihr hier: Stundensatz Kalkulation für Freelancer

 

Ein Gedanke zu „Freelancergehalt – immer wieder ein heißes Thema

  1. Harriet Liesegang

    Danke, Fiona, für diesen Beitrag! Ich finde es sehr erfreulich gute Argumente zu diesem Thema zu lesen, da ich als Freiberufler häufig mir sehr unrealistischen Preisvorstellungen konfrontiert bin. Ich erkläre meinen Kunden natürlich dann sehr gerne, wie meine Preise zustande kommen. In meiner Branche gibt es inzwischen sehr viele „Billiganbieter“. Wie sich solche Angebote langfristig am Markt entwickeln wird sich zeigen. Eben aufgrund der umfangreichen Zusatzkosten, die Du auch nennst, kann ich mir nicht vorstellen, wie dies dauerhaft funktionieren soll.

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