freelancer-wissen-werkvertrag

Freelancer-Wissen: Der Werkvertrag

Häufig erfolgen Ihre Leistungen als Freelancer schlicht auf Rechnungsbasis; einige Auftraggeber wollen mit Ihnen jedoch einen Werkvertrag schließen. Was das genau ist und worauf Sie beim Abschluss eines solchen Vertrages achten müssen, erfahren Sie hier.

Ein Werkvertrag soll verschieden Herausforderungen absichern und ist für alle  Vertragsparteien von großer Bedeutung.

Ein wichtiges Thema: Freelancer und Scheinselbstsändigkeit

Bevor ein Werkvertrag oder jegliche andere Vertragsform abgeschlossen wird, sollten Sie prüfen, ob Sie tatsächlich ein freier Mitarbeiter sind. Das Thema Scheinselbstständigkeit plagt viele Freelancer, wobei einige von ihnen sich dieser Problematik nicht einmal bewusst sind. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie ein Statusfeststellungsverfahren gemäß § 7a I SGB IV beantragen.

Als Faustregel gilt: Die Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn Sie als Selbstständiger arbeiten, aber wirtschaftlich und persönlich von Ihrem Arbeitgeber abhängig sind.


projektwerk gif plattform für freelancer und projektanbieter


 

Freelancer mit Werkvertrag: Die Benennung des Vertrages

Ist klar, dass keine Scheinselbstständigkeit vorliegt, steht der Erstellung eines freien Mitarbeitervertrags nichts mehr im Wege. Mit einem Freelancer wird in der Regel ein Werkvertrag, Honorarvertrag oder Dienstleistungsvertrag abgeschlossen.

Die Abgrenzung dieser beiden Vertragsarten ist in der Praxis schwierig. Aus § 133 BGB geht hervor, dass der Vertragstitel weniger von Bedeutung ist als der tatsächliche Inhalt beziehungsweise der Wille der beiden Parteien, die ihn abgeschlossen haben.

In der Praxis werden die beiden Vertragsarten dennoch für unterschiedliche Zwecke verwendet:

  • Dienstleistungsvertrag: Der Freelancer schuldet eine Leistung nach den Ansprüchen des Kunden; der Auftraggeber muss im Gegenzug die vereinbarte Vergütung zahlen (siehe § 611 BGB). Die Freien Mitarbeiter schulden dann keinen konkreten Arbeitserfolg, sondern unterstützen ihren Auftraggeber mit einer Dienstleistung.
  • Werkvertrag: Hier ist der Freelancer verpflichtet, ein bestimmtes Ergebnis zu liefern, zum Beispiel die Erstellung einer Software (siehe §§ 631 ff BGB). Natürlich müssen Sie auch in diesem Fall eine Dienstleistung ausführen, sind aber im selben Zug verpflichtet, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

Der Werkvertrag ist also für Szenarien gedacht, in denen beide Parteien an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, dessen Erfolg maßgeblich von dem zu erstellenden Produkt abhängt. Damit es keine Streitigkeiten gibt, ist der Vertrag genau zu formulieren, insbesondere die Beschreibung des Werkes.

Werkvertrag: Genaue Werksbeschreibung ist wichtig

In einem soliden Werkvertrag muss ausführlich und genau beschrieben sein, wie das Produkt am Ende auszusehen und zu funktionieren hat. Für Freelancer ist problematisch, dass die Vergütung oftmals erst nach Abnahme des Werkes durch den Kunden erfolgt. Eventuelle Kosten müssen sie bis dahin selbst tragen.

Einzige Ausnahme: Einzelne, in sich abgeschlossene Teile können in Form von Abschlagszahlungen verlangt werden. Dies ist wiederum nur möglich, wenn der Auftraggeber Eigentum an den Teilen erlangt oder Sicherheit durch den Freien Mitarbeiter garantiert wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Werksbeschreibung ist die Mängelhaftung. Auftraggeber müssen Probleme erkennen und haben dann nach der Abnahme Ansprüche gemäß § 634 BGB. Sie verlangen dann entweder Nacherfüllung oder beseitigen den Mangel selbst und fordern von Ihnen als Freelancer Ersatz für diese Aufwendung. Bei erheblichen Mängeln mindern Auftraggeber oft die Vergütung oder treten sogar ganz vom Vertrag zurück.

Hinweis: Achten Sie auf die Verjährungsfristen von Mängeln.

Einen Vorlage für einen Werkvertrag finden Sie auf vorlagen.de*. Mit dem Code projektwerk erhalten Sie zudem 10% Preisnachlass auf den Download dieser Vorlage.
Whitepaper für Freelancer kostenloser download

Einen Werkvertrag  als Freelancer kündigen

Diese Vertragsform kann seitens des Freelancers gekündigt werden, wenn dies zuvor von beiden Parteien im Vertrag vereinbart wird. Es gibt aber auch eine gesetzliche Regelung, die Sie in bestimmten Situationen schützt: Angenommen, Ihr Auftraggeber muss bei der Werkserstellung handeln, verweigert dies aber, sodass sich die Annahme verzögert§ 642, 643 BGB).

Sie können dem Auftraggeber eine Frist für die Handlung setzen. Wird diese Frist verpasst, erfolgt die automatische Kündigung des Vertrages. Für bereits getätigte Arbeiten müssen Sie entlohnt werden, unter Umständen haben Sie zudem einen Schadensersatzanspruch, da der Auftraggeber leicht fahrlässig gehandelt hat.

Kündigung eines Werkvertrags durch den Projektanbieter

Umgekehrt kann auch der Auftraggeber kündigen, wenn Sie Ihren vertraglichen Pflichten nicht nachkommen oder Sie Ihre Arbeiten schlecht erfüllen; auch ein Insolvenzantrag ist mit einer außerordentlichen Kündigung verbunden. Daneben hat der Auftraggeber gemäß § 649 BGB jederzeit die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen. Hier ist der Auszug aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch:

Der Besteller kann bis zur Vollendung des Werkes jederzeit den Vertrag kündigen. Kündigt der Besteller, so ist der Unternehmer berechtigt, die vereinbarte Vergütung zu verlangen; er muss sich jedoch dasjenige anrechnen lassen, was er infolge der Aufhebung des Vertrags an Aufwendungen erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Arbeitskraft erwirbt oder zu erwerben böswillig unterlässt. Es wird vermutet, dass danach dem Unternehmer 5 vom Hundert der auf den noch nicht erbrachten Teil der Werkleistung entfallenden vereinbarten Vergütung zustehen.

Zunächst müssen Sie also in so einem Fall alles auflisten, was Sie für den Besteller bereits erarbeitet haben. Weiterhin ist zu klären, welche ersparten Aufwendungen auftreten. Die Beweislast liegt bei Ihnen, dem Auftragnehmer, was sich in der Praxis als schwierig herausstellt. Damit es nicht dazu kommt, sollte man mithilfe einzelvertraglicher Regelungen eine individuelle Pauschale vereinbaren, falls es zur Kündigung nach § 649 BGB kommt.

Werkvertrag und automatische Vertragsverlängerung

Eine automatische Verlängerung eines Werkvertrags ist nicht unüblich. Sie wird oftmals vereinbart, damit das Projekt über die geplante Laufzeit hinaus fortgeführt werden kann, falls es zu Verzögerungen kommt. Auf der anderen Seite kann der Auftraggeber auch einfach nur die Zusammenarbeit mit dem Freelancer ausbauen, weil er mit seiner Leistung zufrieden ist. In jedem Fall ist die Vertragsverlängerung genau zu formulieren, zum Beispiel:

Der Auftraggeber kann diesen Vertrag um bis zu drei Monate unter denselben Bedingungen verlängern; die Option ist bis spätestens 14 Tage vor Ende der regulären Laufzeit zu wählen.

Fazit: Kein Werkvertrag ohne Versicherung

Bei einem Werkvertrag können hohe Schadenersatzansprüche Ihr Geschäft ggfs. ruinieren. Umfragen zeigen, dass eine Berufshaftpflichtversicherung von einem Großteil der Auftraggeber ohnehin verlangt wird. Sollten Sie auf eine solche verzichten, hätten Sie folglich einen Wettbewerbsnachteil.

Der Werkververtrag für Freelancer - Buchtipp

Unser Buchtipp*

Derzeit finden Sie bei vielen Anbietern maßgeschneiderte Lösungen, die sich an spezielle Berufsgruppen richten. Eine IT-Haftpflicht zum Beispiel deckt besonders hohe Summen ab, da Schäden im sechs- oder siebenstelligen Bereich auftreten können, wenn Projekte scheitern, die von einem einzelnen Werk/Produkt abhängig sind.

Ein reiner Werkvertrag bringt für Freelancer insgesamt relativ wenige Vorteile mit sich. Aus diesem Grund ist auf eine genaue Formulierung zu achten, v.a. wenn es um die Beschreibung des Werkes geht. Eine Haftpflichtversicherung schützt Freelancer zudem vor eventuellen Schadensersatzansprüchen.

Unser Buchtipp

Sie möchten noch mehr über Freelancer-Verträge wissen und zudem einen Blick über den Tellerrand wagen? Dann empfehlen wir Ihnen folgendes Buch:

Dieser Artikel wurde zuletzt am 05.07.2018 aktualisiert.

*Affiliate-Link

Jetzt Newsletter für Freelancer abonnieren


Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

2 Gedanken zu „Freelancer-Wissen: Der Werkvertrag

  1. AvatarOlaf Barheine

    Ein Statusfeststellungsverfahren gibt allenfalls Auskunft, dass ich in der Vergangenheit nicht scheinselbständig war. Daraus lässt sich aber nicht folgern, dass das nicht morgen der Fall ist. Wenn ich ab morgen über einen längeren Zeitraum jeden Tag zum Kunden dackele, weisungsgebunden bin und auch sonst wie ein Angestellter behandelt werde, kann das durchaus die Rentenversicherung auf den Plan rufen. Es liegt also am Kunden, wie er mit mir umgeht. Und er ist es auch, der das größte Risiko trägt.

  2. Avatarits not a trick - its SPD !

    Bei einer größeren Tochterfirma des öffentlich rechtlichen Rundfunks wurde ich laut Clearingstelle mit 8:2 Punkten scheinselbständig beschäftigt. Seit fast einem Jahr warte ich auf das Gerichtsverfahren wegen Widerspruch gegen diese Feststellung seitens der Tochterfirma. Der Vertragsinhalt scheint vor dem Amtsgericht keinerlei Rolle zu spielen. Dort klagte ich, weil man mich als Designer einstellte und als Dozent ausbeutete. Verfahren fallen gelassen. Aus guter Quelle erfuhr ich, daß die Tochterfirma quasi eine eigene Abteilung innerhalb der Clearingstelle haben…

    …Werkverträge bedeuteten nichts anderes als die Abschaffung sämtlicher Arbeitnehmerrechte bei ähnlichen Bedingungen sozialversicherungspflichiger Beschäftigung unter dem Anreiz scheinbarer (nicht existenter) höherer Vergütung. Logisch, daß die meist niedriger ausfällt als für Otto-Normal-Selbständige…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.