Der Dienstleistungsvertrag für Freelancer

Freelancer-Wissen: Der Dienstleistungsvertrag

Die Vertragsgestaltung als Freelancer ist ein Punkt, der vor Arbeitsbeginn detailliert zu klären ist. Infos rund um den Dienstleistungsvertrag finden Sie im Anschluss. Weder für Sie als Freelancer noch für Ihre Kunden soll schließlich aus der Vertragsart ein Nachteil entstehen.

Insbesondere wenn Sie schon seit längerer Zeit als Freelancer tätig sind, ist Ihnen der Dienstleistungsvertrag (oder besser: Dienstvertrag) mit Sicherheit ein Begriff. Aber was hat es damit genau auf sich und was müssen Sie bei der Erstellung und vor der Unterzeichnung des Vertrages beachten?

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Wichtig: Achten Sie auf die Abgrenzung zum Scheinselbstständigen!

Bevor Sie sich Gedanken um den Vertrag machen können, sollten Sie sichergehen, dass keine Scheinselbstständigkeit vorliegt. Die Art des abzuschließenden Vertrags hat damit nämlich eigentlich direkt noch nichts zu tun. Die Deutsche Rentenversicherung möchte schlichtweg sichergehen, dass Sie nicht von Ihrem Kunden abhängig sind.

Wann tritt bei Freelancern Scheinselbstständigkeit ein?

  • Sie werden in das Unternehmen des Kunden integriert
  • Sie arbeiten hauptsächlich im Betrieb des Kunden
  • Ihnen werden Material und Utensilien zur Verfügung gestellt

Das sind nur einige Beispiele, die – zumindest aus offizieller Sicht – recht klar darauf hindeuten, dass Sie sich in einer Scheinselbstständigkeit bewegen. Erst wenn Sie diese ausschließen können, stellt sich die Frage, ob Sie einen Werkvertrag, einen Honorarvertrag oder Dienstleistungsvertrag als Freelancer abschließen sollten.

Unterschied: Dienstleistungsvertrag vs. Werkvertrag

Die Tücke beim Dienstleistungsvertrag und Werkvertrag liegt darin, dass sie sich sehr ähnlich sind. Bei Freelancern und Unternehmen sorgen die beiden Vertragsarten immer wieder für Unsicherheiten. Viele Freelancer und Unternehmen sind nämlich zu Beginn nicht sicher, welche Variante sie wählen sollen.

Als Faustregel gilt: Ein Werkvertrag wird im Regelfall dann verwendet, wenn klar genannt wird, wie das Werk auszusehen und zu funktionieren hat. Es geht also eher um die Entwicklung eines Produkts bzw. messbaren Ergebnisses. Die Ausführung einer Dienstleistung oder Unterstützung eines Auftraggebers wird dagegen im Rahmen eines Honorar- oder Dienstleistungsvertrages bestimmt.

Dienstleistungsvertrag als Freelancer: Inhalte & Definition

Der Name sagt es schon: Beim Dienstleistungsvertrag wird in erster Linie eine Dienstleistung erbracht, ohne dass man sich zur Anfertigung eines Produkts oder Werks verpflichtet. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Deshalb ist auf die Formulierung des Vertrages zu achten.

Dienstleistungen sind bei Freiberuflern äußerst verschieden. Einige Beispiele:

  • Unterstützung im Bereich Qualitätsmanagement
  • Beratung für eine Social-Media-Kampagne
  • Schulung & Weiterbildung des IT-Personals

Anhand der Beispiele ist erkennbar, dass kein gegenständlicher Erfolg geschuldet wird, sondern der Freelancer für eine Tätigkeit entlohnt wird.

Nachfolgend einige Tipps für die Vertragsgestaltung:

  • Vermeiden Sie – soweit möglich – die vertragliche Festlegung eines einzigen fixen Termins. Nennen Sie stattdessen flexible Etappen und Milestones, zum Beispiel: Ein Monat nach der Social-Media-Kampagne auf Facebook folgt eine Kampagne auf Twitter.
  • Bestehen Sie darauf, dass es keine Verzugsstrafen gibt, falls die Fristen nicht eingehalten werden.
  • Für fahrlässiges Verschulden sollten Sie nicht pauschal haften müssen; zumindest sollte der Auftraggeber dies nachweisen müssen und Ersatzansprüche ggfs. auf die konkret betroffenen Teile Ihrer Dienstleistung beziehen.
  • Definieren Sie den Beginn der Verjährungsfrist mit dem Abschluss Ihrer Dienstleistung (Vertragsende).
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Schützt der Dienstleistungsvertrag Freelancer?

Diese Frage ist vorweg leicht zu beantworten: nein. Es handelt sich um eine häufige Fehleinschätzung vieler Freiberufler. Der Dienstvertrag schützt nicht gegen selbstverschuldete Fehler und führt gemäß §§ 280 ff. BGB zu Schadensersatzansprüchen, wenn der Leistende seine Unschuld nicht beweisen kann. Hinzu kommt die Tatsache, dass Auftraggeber gemäß § 626 BGB den Dienstleistungsvertrag kündigen können, wenn Sie eine schlechte Leistung erbringen.

Dienstleistungsvertrag: Beispiel aus der IT-Branche

Für einen Kunden sollen sie eine Webseite mit dem CMS WordPress erstellen und passende Plug-ins installieren. Einige davon sind kostenpflichtig und werden benötigt, damit der Onlineshop Ihres Auftraggebers funktioniert. Sie raten zum Kauf eines Plug-ins, das Sie mit gutem Gewissen empfehlen können. Nach wenigen Monaten stellt sich heraus, dass es vom Entwickler nicht länger unterstützt wird. Ihr Kunde findet heraus, dass der Herausgeber zum Kaufzeitpunkt bereits angekündigt hatte, die Entwicklung einstellen zu wollen.

Diese Notiz hätten Sie nicht übersehen dürfen. Es ist schließlich Ihre Aufgabe, sicherzustellen, dass alle Plug-ins miteinander kompatibel sind, insbesondere jene, von denen der Umsatz des Kunden abhängt. Besonders gravierend ist natürlich die angekündigte Einstellung der Software.

Je nachdem, welche Kosten die Umstellung auf ein neues Plug-in hat, wie groß der Aufwand und wie hoch die Umsatzeinbußen sind, kann der Schaden in den Millionenbereich gehen. Für solche Fälle ist eine IT-Haftpflichtversicherung mehr als empfehlenswert.

Einen Dienstleistungsvertrag kündigen

Beide Parteien können das Dienstleistungsverhältnis kündigen. Generell endet es natürlich nach dem vereinbarten Zeitraum automatisch. Ansonsten besteht noch das Recht auf eine ordentliche Kündigung § 620 Abs. 2, 621 BGB unter Einhaltung der Kündigungsfristen (§ 621 & 624 BGB).

Kommt es zu einer Kündigung, haben Sie Anspruch auf eine Teilvergütung für die bereits erbrachten Dienstleistungen. Folgt die Kündigung hingegen infolge einer Pflichtverletzung Ihrerseits, steht Ihrem Auftraggeber womöglich ein entsprechender Schadensersatz zu.

Freelancer zwischen Dienstleistungsvertrag & Werkvertrag: Der Mischvertrag

Auch wenn man immer zwischen Dienstleistungs- und Werkvertrag klar zu unterscheiden versucht, kommt in der Praxis meist ein Mischvertrag zum Einsatz, der Elemente beider Arten enthält. In den meisten Situationen sind nämlich werkvertragliche Erfolge nötig, auch wenn den Formulierungen nach eine Dienstleistung erbracht wird.

Was ist für Freelancer die bessere Variante?

Der Dienstleistungsvertrag entbindet Sie lediglich vordergründig, einen gegenständlich messbaren Erfolg erbringen zu müssen. Doch die meisten Unternehmen lassen sich nicht auf einen reinen Dienstleistungsvertrag ein, sondern bestehen entweder auf einen Werk- oder Mischvertrag.

Fazit: Vertragsinhalte genau prüfen & Haftung klären

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Freelancer müssen bei der Vertragsgestaltung genau aufpassen, ob tatsächlich ein Dienstleistungsverhältnis vereinbart wird oder Elemente aus dem Werkvertrag integriert werden – dann handelt es sich nicht mehr um einen reinen Dienstleistungsvertrag, sondern einen Mischvertrag.

Ein solcher Mischvertrag aus Dienstleistungs- und Werkvertrag ist meistens v.a. im Interesse der Auftraggeber, die handfeste und überprüfbare Ergebnisse sehen wollen. Aber auch für Sie kann sich ein Mischvertrag lohnen, da Sie so konkrete Etappen für Ihre Tätigkeit festlegen können.

Unabhängig von der gewählten Vertragsart ist es sinnvoll, eine Versicherung abzuschließen, die Sie als Freelancer vor hohen Schadensersatzansprüchen schützen kann. Wenn Sie vertraglich haftbar gemacht werden können, sind die finanziellen Folgen häufig kaum absehbar.

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Dieser Artikel wurde am 05.07.2018 aktualisiert.

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3 Gedanken zu „Freelancer-Wissen: Der Dienstleistungsvertrag

  1. Nina

    Guten Tag Herr Iffländer,

    besten Dank für den Hinweis. Da haben Sie natürlich recht.
    Wir haben den Punkt entsprechend aus der Auflistung genommen.

    Beste Grüße
    Nina Höppner

  2. Agnes

    Nehmen Sie doch mal das BGB zur Hand. Es gibt KEINEN Dienstleistungsvertrag, siehe § 611 BGB. Der Vertrag heisst „Dienstvertrag“.

    1. Beatrice Schmidt

      Vielen herzlichen Dank für Ihre Anmerkung zum Artikel „Dienstleistungsvertrag“.

      Dienstleistungsvertrag ist ein gängiger umgangssprachlicher Begriff, welcher auch von der IHK, Rechtsanwälten und Behörden verwendet wird. Gern werden wir den Artikel jedoch dahingehend überarbeiten, dass dieser Begriff häufig verwendet wird und, dass eigentlich der Dienstvertrag damit gemeint ist.

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