preiskalkulation für Freelancer - projektwerk

Freelancer-Wissen: Die Preiskalkulation

Das Thema Preiskalkulation bereitet vielen Freelancern große Probleme. Einerseits wollen Sie als Freelancer sich nicht zu billig verkaufen, andererseits auch nicht die Kunden mit zu hohen Preisen vergraulen. Tipps zur Preiskalkulation finden Sie im Anschluss.

“Was ist meine Leistung wert?”

Diese Frage sollte sich jeder Freelancer regelmäßig stellen. Sie entscheidet darüber, wie viel Sie von Ihren Kunden für laufende und neue Projekte verlangen können. Zwei zentrale Fragen versuchen wir Ihnen hier zu beantworten:

  1. Was ist ein angemessener Preis?
  2. Anhand welcher Kriterien ist dieser zu berechnen?

Preiskalkulation: Stundensatz vs. Projektvergütung

Zunächst müssen Sie überlegen, ob Sie sich Ihre Leistung anhand eines Stundensatzes vergüten lassen oder Sie für Projekte eine Gesamtvergütung, also einen Pauschalpreis verlangen. Selbst wenn Sie sich für die zweite Option entscheiden, sollten Sie Ihren Stundensatz kalkulieren und den Pauschalpreis daraus errechnen.

Viele Freelancer sind der Ansicht, dass sie mit einer Gesamt-Projektvergütung besser wegkommen. Das ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Wer pro Projekt vergütet wird, der muss in der Lage sein, einen angemessenen Betrag für seine Leistung zu fordern. Leichter gesagt als getan.

Tipp: Je umfangreicher das Projekt, desto mehr Variablen müssen Sie bei der Kalkulation beachten. Ein Stundenpreis ist für Sie vermutlich rentabler, insbesondere am Anfang, wenn Sie sich als junger Freelancer auf dem Markt behaupten wollen. Später, nachdem Sie ausreichend Erfahrung gesammelt haben und den Zeitaufwand für verschiedene Dienstleistungen einschätzen können, können Sie sich durchaus für die Vergütung je Projekt entscheiden.

Der Stundensatz: Ein ewig diskutiertes Thema

In einem vergangenen Artikel berichteten wir über steigende Stundensätze bei Freelancern. In der IT-Branche lag der Stundensatz im Schnitt bei 88 Euro. Leider ist das aber kein Richtwert, denn die Stundensätze sind von Branche zu Branche sehr verschieden.

3 Tipps zu Referenz-Stundensätzen

  1. Informieren Sie sich vor der angestrebten Preiskalkulation über Ihre Branche
  2. Fragen Sie bei Kollegen nach
  3. Suchen Sie nach Studien und Umfragen, die Stundensätze nennen.

3 Anhaltspunkte, um das Gewinnziel zu ermitteln

Ehe Sie mit einer Preiskalkulation beginnen, sollten Sie die nachfolgenden drei Punkte berücksichtigen.

  1. Das Netto-Honorar eines Freelancers: Ein wichtiger Punkt bei der Preiskalkulation ist das Honorar. Freelancer sind keine Angestellten, sondern müssen sich selbst als Gewerbetreibende sehen. Sie zahlen verschiedene Steuern, die ihre Umsätze mindern.
  2. Gehalt als Angestellter als Orientierungswert: Beachten Sie auch, dass Sie als Freelancer häufig schwankende Einnahmen besitzen, ein Angestellter aber jeden Monat dasselbe Gehalt erhält. Wenn Sie zuvor als Angestellter gearbeitet haben, sollten Sie deshalb nicht ihr Monatsgehalt, sondern das Jahresgehalt berücksichtigen. Und: Vergessen Sie nicht, dass Ihr Arbeitgeber einen Teil der Sozialversicherung gezahlt hat. Multiplizieren Sie deshalb Ihr Jahresbruttogehalt mit dem Faktor 1,25. Auf diese Weise erhalten Sie einen fairen Orientierungswert.
  3. Konsum- und Vorsorgebedarf beachten: Als Freelancer haben Sie einen Vorsorge- und Konsumbedarf, den Angestellte nicht besitzen. Sie zahlen unter Umständen Miete für ein Büro, müssen die Kosten für Energie tragen und haben eine spezielle Freelancer-Versicherung. Führen Sie solche Kosten in einem Budgetplaner auf, um stets den Überblick zu behalten.

Ausgaben erfassen: Der Aufwand lohnt sich!

Die einmalige oder laufende Erfassung der Ausgaben ist durchaus aufwendig, jedoch können Sie besser planen und einen vorteilhafteren Stundensatz verhandeln. Machen Sie sich deshalb die Arbeit; nutzen Sie Apps oder geeignete Software, die Ihnen die Prozedur erleichtern.

Vergessen Sie nicht die Einkommensteuer

Als Freelancer berechnen Sie natürlich meist Brutto-Preise. Sie müssen am Ende jedoch noch die Einkommensteuer zahlen. Behalten sie dies im Hinterkopf um das Nettoeinkommen auch zu erhalten, das Sie sich vorstellen.

Beispiel-Rechnung: Jahres-Einkommen vor und nach Steuer

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht, wie hoch Ihr Gewinn (vor Steuern) sein muss, um das gewünschte Nettoeinkommen zu erreichen. Es handelt sich hierbei um Beispiel-Werte. Je nach Branche unterscheidet sich das Jahreseinkommen natürlich.

Nettoeinkommen Gewinn
verheiratet ledig
42.000 50.000 59.000
60.000 77.000 92.000
75.000 103.000 118.000

Die Tabelle soll lediglich als Beispiel dienen. Ermitteln Sie Ihre individuelle Steuerbelastung mit dem Steuerrechner des Bundesministeriums der Finanzen.

Hinweis: Das bis zu diesem Punkt ermittelte Gewinnziel enthält keinen Risikoaufschlag. Freelancer tragen sämtliche unternehmerischen Risiken selbst (wie Erkrankung oder Berufsunfähigkeit). Rechnen Sie bei der Gewinnplanung aus diesem Grund noch rund 10% hinzu.

Ermitteln Sie die Anzahl der produktiven Stunden

Neben dem unternehmerischen Risiko müssen Sie noch bedenken, dass Sie nicht 365 Tage im Jahr arbeiten. Es gibt Wochenenden und Feiertage, und Sie möchten vermutlich auch in den Urlaub fahren.

Ermitteln Sie zunächst, wie viele Arbeitsstunden ein durchschnittlicher Monat hat (dies kann bei Ihnen natürlich auch anders verteilt sein):

  • Kalendertage: 365
  • Wochenenden: –104
  • Feiertage: –13
  • Urlaub: –30
  • Krankheit –7
  • Weiterbildung: –5

Von 365 Tagen im Jahr bleiben am Ende noch 206 Tage übrig; das entspricht rund 17 Tagen pro Monat.

Von den 17 Tagen im Monat sind Sie mit Sicherheit nicht immer produktiv, da noch administrative Arbeiten anfallen. Gehen wir davon aus, dass die Produktivität 88 Prozent beträgt: 17 × 0,88 = 15 Arbeitstage pro Monat.

Beispiel-Rechnung: IT-Experte mit 88 Euro Stundensatz

Wenn Sie effektiv 15 Tage im Monat arbeiten, entspricht dies bei acht Stunden pro Tag insgesamt 120 Stunden im Monat beziehungsweise 1.440 pro Jahr. Als IT-Experte mit einem geplanten Stundenlohn von 88 Euro würden Sie 127.000 Euro pro Jahr erwirtschaften. Ihr Nettoeinkommen wäre somit höher als 75.000 Euro, wenn Sie ledig sind.

Vergessen Sie nicht den Gewinn

Als Freelancer benötigen Sie genauso wie ein Unternehmer einen Gewinn, den Sie in Rücklagen stecken. Mit diesen tätigen Sie Investitionen und sie helfen Ihnen bei einer möglichen Auftragsflaute, bis Sie wieder Rechnungen schreiben können.

Je nachdem, in welcher Branche Sie tätig sind, sollten Sie einen Gewinn von 15 bis 25 Prozent berechnen. Wenn Sie überwiegend als Dienstleister arbeiten und wenig investieren, muss Ihr Gewinn auch nicht sehr hoch ausfallen.

Fazit: Berücksichtigen Sie alles!

Freelancer müssen bei der Preiskalkulation viele Kriterien berücksichtigen. Neulinge machen oftmals den Fehler, den Stundenlohn mit ihren Arbeitsstunden zu multiplizieren.

Vergessen Sie nicht, dass Sie …

  • … nicht immer einhundertprozentig produktiv sind,
  • … sich gelegentlich Urlaub nehmen,
  • … hin und wieder krank sind,
  • … für Ihr Alter vorsorgen müssen und
  • … eine Einkommensteuer zu zahlen haben.

Erst wenn Sie alle Kosten berücksichtigt haben, ist eine Preiskalkulation möglich. Behalten Sie dabei aber immer Ihr gestecktes Ziel, das gewünschte Nettojahreseinkommen, im Auge.

Ein Gedanke zu „Freelancer-Wissen: Die Preiskalkulation

  1. Olaf Barheine

    Ein gutes Hilfsmittel für die Kalkulation eines Angebots ist auch die Function-Point-Analyse. Zu diesem Zweck ermittele ich aus dem Lastenheft und beim Kunden die einzelnen zu entwickelnden Funktionen und veranschlage dann z. B. für jede 1.000,- Euro für die Umsetzung.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.