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Preiskalkulation und Stundensatzberechnung für Freelancer

Das Thema Preiskalkulation und Stundensatzberechnung bereitet vielen Freelancern Probleme.

Einerseits wollen Sie als Freelancer sich nicht zu billig verkaufen, andererseits auch nicht die Kunden mit zu hohen Preisen vergraulen.

Tipps zur Kalkulation von Stundensätzen finden Sie im Anschluss.

Was ist besser: Stundensatz oder Gesamtvergütung?

Zunächst müssen Sie überlegen, ob Sie sich Ihre Leistung anhand eines Stundensatzes vergüten lassen oder Sie für Projekte eine Gesamtvergütung, also einen Pauschalpreis verlangen.

Selbst wenn Sie sich für die zweite Option entscheiden, sollten Sie Ihren Stundensatz kalkulieren und den Pauschalpreis daraus errechnen.

Viele Freelancer sind der Ansicht, dass sie mit einer Gesamt-Projektvergütung besser wegkommen. Das ist jedoch nicht immer zwingend der Fall.

Wenn Sie sich pro Projekt vergüten lassen, müssen Sie in der Lage sein, einen angemessenen Betrag für Ihre Leistung zu fordern. Leichter gesagt als getan.

Tipp:

Je umfangreicher das Projekt, desto mehr Variablen müssen Sie bei der Kalkulation beachten.

Ein Stundenpreis ist für Sie vermutlich rentabler, insbesondere am Anfang, wenn Sie sich als junger Freelancer auf dem Markt behaupten wollen.

Später, nachdem Sie ausreichend Erfahrung gesammelt haben und den Zeitaufwand für verschiedene Dienstleistungen einschätzen können, können Sie sich durchaus für die Vergütung je Projekt entscheiden.


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Wie wird der Stundensatz kalkuliert?

In einem vergangenen Artikel berichteten wir über steigende Stundensätze bei Freelancern. In der IT-Branche lag der Stundensatz im Schnitt bei 88 Euro. Leider ist das aber kein Richtwert, denn die Stundensätze sind von Branche zu Branche sehr verschieden.

Unsere drei Tipps zur Stundensatzkalkulation

  1. Informieren Sie sich vor der angestrebten Preiskalkulation über Ihre Branche
  2. Fragen Sie bei Kollegen nach
  3. Suchen Sie nach Studien und Umfragen, die Stundensätze nennen.

Welche 3 Anhaltspunkte gibt es für die Ermittlung des Gewinnziels?

Ehe Sie mit einer Preiskalkulation beginnen, sollten Sie die nachfolgenden drei Punkte berücksichtigen.

1. Das Netto-Honorar eines Freelancers:

Ein wichtiger Punkt bei der Preiskalkulation ist das Honorar.

Freelancer sind keine Angestellten, sondern müssen sich selbst als Gewerbetreibende sehen. Sie zahlen verschiedene Steuern, die ihre Umsätze mindern.

2. Gehalt als Angestellter als Orientierungswert:

Beachten Sie auch, dass Sie als Freelancer häufig schwankende Einnahmen besitzen, ein Angestellter aber jeden Monat dasselbe Gehalt erhält.

Wenn Sie zuvor als Angestellter gearbeitet haben, sollten Sie deshalb nicht ihr Monatsgehalt, sondern das Jahresgehalt berücksichtigen.

Vergessen Sie nicht, dass Ihr Arbeitgeber einen Teil der Sozialversicherung gezahlt hat. Multiplizieren Sie deshalb Ihr Jahresbruttogehalt mit dem Faktor 1,25. Auf diese Weise erhalten Sie einen fairen Orientierungswert.

3. Konsum- und Vorsorgebedarf beachten:

Als Freelancer haben Sie einen Vorsorge- und Konsumbedarf, den Angestellte nicht besitzen.

Sie zahlen unter Umständen Miete für ein Büro, müssen die Kosten für Energie tragen und haben eine spezielle Freelancer-Versicherung.

Führen Sie solche Kosten in einem Budgetplaner auf, um stets den Überblick zu behalten.

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Welche Ausgaben werden für die Stundensatzkalkulation erfasst?

Die einmalige oder laufende Erfassung der Ausgaben ist durchaus aufwendig, jedoch können Sie besser planen und einen vorteilhafteren Stundensatz verhandeln.

Machen Sie sich deshalb die Arbeit; nutzen Sie Apps oder geeignete Software, die Ihnen die Prozedur erleichtern.

Welche Steuern müssen Sie in die Kalkulation einfließen lassen?

Als Freelancer berechnen Sie natürlich meist Brutto-Preise. Sie müssen am Ende jedoch noch die Einkommenssteuer zahlen. Behalten Sie dies im Hinterkopf um das Nettoeinkommen auch zu erhalten, das Sie sich vorstellen.

Beispiel-Rechnung: Jahres-Einkommen vor und nach Steuer

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht, wie hoch Ihr Gewinn (vor Steuern) sein muss, um das gewünschte Nettoeinkommen zu erreichen.

Es handelt sich hierbei um Beispiel-Werte. Je nach Branche unterscheidet sich das Jahreseinkommen natürlich.

NettoeinkommenGewinn 
 verheiratetledig
42.00050.00059.000
60.00077.00092.000
75.000103.000118.000
Tabelle mit Gewinn (vor Steuern)

Die Tabelle soll lediglich als Beispiel dienen. Ermitteln Sie Ihre individuelle Steuerbelastung mit dem Steuerrechner des Bundesministeriums der Finanzen.

Hinweis:

Das bis zu diesem Punkt ermittelte Gewinnziel enthält keinen Risikoaufschlag. Freelancer tragen sämtliche unternehmerischen Risiken selbst (wie Erkrankung oder Berufsunfähigkeit).

Rechnen Sie bei der Gewinnplanung aus diesem Grund noch rund 10% hinzu.

Wie ermitteln Sie Ihre produktiven Stunden?

Neben dem unternehmerischen Risiko müssen Sie noch bedenken, dass Sie nicht 365 Tage im Jahr arbeiten. Es gibt Wochenenden und Feiertage, und Sie möchten vermutlich auch in den Urlaub fahren.

Ermitteln Sie zunächst, wie viele Arbeitsstunden ein durchschnittlicher Monat hat (dies kann bei Ihnen natürlich auch anders verteilt sein):

  • Kalendertage: 365
  • Wochenenden: –104
  • Feiertage: –13
  • Urlaub: –30
  • Krankheit –7
  • Weiterbildung: –5

Von 365 Tagen im Jahr bleiben am Ende noch 206 Tage übrig; das entspricht rund 17 Tagen pro Monat.

Von den 17 Tagen im Monat sind Sie mit Sicherheit nicht immer produktiv, da noch administrative Arbeiten anfallen.

Gehen wir davon aus, dass die Produktivität 88 Prozent beträgt: 17 × 0,88 = 15 Arbeitstage pro Monat.

Beispiel-Rechnung: IT-Experte mit 88 Euro Stundensatz

Wenn Sie effektiv 15 Tage im Monat arbeiten, entspricht dies bei acht Stunden pro Tag insgesamt 120 Stunden im Monat beziehungsweise 1.440 Stunden pro Jahr.

Als IT-Experte mit einem geplanten Stundenlohn von 88 Euro würden Sie 127.000 Euro pro Jahr erwirtschaften. Ihr Nettoeinkommen wäre somit höher als 75.000 Euro, wenn Sie ledig sind.

Wie berücksichtigen Sie den Gewinn?

Als Freelancer benötigen Sie genauso wie ein Unternehmer einen Gewinn, den Sie in Rücklagen stecken.

Mit diesen tätigen Sie Investitionen und sie helfen Ihnen bei einer möglichen Auftragsflaute, bis Sie wieder Rechnungen schreiben können.

Je nachdem, in welcher Branche Sie tätig sind, sollten Sie einen Gewinn von 15 bis 25 Prozent berechnen. Wenn Sie überwiegend als Dienstleister arbeiten und wenig investieren, muss Ihr Gewinn auch nicht sehr hoch ausfallen.

Beispiel-Rechnung: Stundensatzermittlung

Nehmen wir an, Sie arbeiten sechs Stunden pro Tag. Das ergibt bei 15 Arbeitstagen pro Monat 90 Arbeitsstunden im Monat und 1.080 Arbeitsstunden im Jahr.

Sie haben kalkulatorische Kosten für Ihr Geschäft in Höhe von: € 20.000 pro Jahr für Versicherungen, Weiterbildung, Steuerberatung etc.

Ihr Netto-Honorar soll € 60.000 betragen.

Hinzu kommen 15 Prozent Aufschlag für Investitionen und Rücklagen.

Daraus ergibt sich die Rechnung:

(€ 20.000 + € 60.000) x 15% = € 92.000 Jahresumsatz
€ 92.000 / 1.080 Stunden = € 85 / Stunde

Fazit: Berücksichtigen Sie alles!

Freelancer müssen bei der Preiskalkulation viele Kriterien berücksichtigen. Neulinge machen oftmals den Fehler, den Stundenlohn mit ihren Arbeitsstunden zu multiplizieren.

Vergessen Sie nicht, dass Sie …

  • … nicht immer 100 prozentig produktiv sind,
  • … sich gelegentlich Urlaub nehmen,
  • … hin und wieder krank sind,
  • … für Ihr Alter vorsorgen müssen und
  • … eine Einkommenssteuer zu zahlen haben.

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Erst wenn Sie alle Kosten berücksichtigt haben, ist eine Preiskalkulation möglich. Behalten Sie dabei aber immer Ihr gestecktes Ziel, das gewünschte Nettojahreseinkommen, im Auge.

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9 Gedanken zu „Preiskalkulation und Stundensatzberechnung für Freelancer

  1. AvatarOlaf Barheine

    Ein gutes Hilfsmittel für die Kalkulation eines Angebots ist auch die Function-Point-Analyse. Zu diesem Zweck ermittele ich aus dem Lastenheft und beim Kunden die einzelnen zu entwickelnden Funktionen und veranschlage dann z. B. für jede 1.000,- Euro für die Umsetzung.

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