10 Steuertipps für Freelancer auf projektwerk

Die 10 besten Steuertipps für Freelancer

Der Blick auf das Vorjahr ist für Freelancer nach der Abgabe ihrer Steuererklärung oftmals ernüchternd, da der Gewinn in einigen Fällen niedriger ausfällt als geplant. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Ihnen vielleicht ein Steuersparpotenzial entgangen ist. Wir geben Ihnen zehn praktische Steuertipps, damit Sie im nächsten Jahr den maximalen Gewinn rausholen.

1. Investitionsabzugsbetrag

Nur wenige Freelancer wissen, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten, die für die nächsten drei Jahre geplant sind, schon heute abziehen können (§ 7g Abs. 1 EStG). Diese Gewinnminderung kostet Sie keinen einzigen Cent! Allerdings müssen hierfür die nachfolgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Investition muss in den nächsten drei Jahren erfolgen
  • Investitionen müssen in bewegliche Anlagen getätigt werden
  • Sie müssen die Investition konkret nennen (Pkw anstelle von Fahrzeug)
  • wenn Sie eine EÜR erstellen, darf der Gewinn maximal 100.000 Euro betragen
  • Der Gegenstand muss zu 90 Prozent betrieblich genutzt werden

Beispiel: Ein Sicherheitsberater hat im letzten Jahr viele Neukunden aus ganz Deutschland gewonnen. Seine Auftraggeber besuchte er bislang mit der Bahn. Für das laufende Geschäftsjahr möchte er einen Dienstwagen kaufen, um langfristig seine Fahrtkosten zu senken. Kostenpunkt: 25.000 Euro. Wenn er alle Voraussetzungen erfüllt, kann er von seinem Gewinn frühzeitig 10.000 Euro absetzen (geplante Investitionskosten × 40 Prozent).

Achtung: Das Finanzamt kann rückwirkend den Steuerbescheid ändern, wenn Sie die genannten Voraussetzungen nicht erfüllt haben. In diesem Fall sind Sie gezwungen, die gesparten Steuern zurückzuzahlen. Außerdem kommen zusätzlich Nachzahlungszinsen in Höhe von 0,5 Prozent pro Monat auf Sie zu.

2. Reisekosten geltend machen

Einige Freelancer sind häufig beruflich unterwegs. Dieser Kostenblock kann steuerlich geltend gemacht werden. Gemeint ist die sogenannte Verpflegungspauschale, die für Reisen innerhalb der Bundesrepublik 24 Euro pro Kalendertag beträgt, wenn Sie 24 Stunden von Ihrer Wohnung abwesend sind. Für das Ausland gelten andere Steuersätze. Einen Überblick gibt es in einem Dokument des Bundesministeriums der Finanzen.

Bei der Übernachtungspauschale unterscheidet der Fiskus zwischen Selbstständigen und Arbeitnehmern. Für Übernachtungskosten müssen Sie alle Belege sammeln und aufbewahren. Auch müssen Sie dem Finanzamt beweisen, dass es sich um eine betriebliche Dienstreise handelt. Bewahren Sie für diesen Zweck Gesprächsprotokolle (E-Mail, WhatsApp, etc.) auf.

Extra-Tipp: Wer beruflich reist, für den ist sein Reisekoffer oder Rucksack ein Arbeitsmittel, entschied das hessische Finanzgericht (FG 3 K 2035/ 06). Die Kosten für die Anschaffung können Sie als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

3. Fachliteratur und Fortbildungskosten absetzen

Als Freelancer können Sie sich nicht auf Ihrem aktuellen Wissensstand ausruhen; Sie müssen sich regelmäßig weiterbilden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Ausgaben für Fachliteratur und Fortbildungen sind in der Regel sehr hoch. Wussten Sie, dass Sie diese Kosten auf Ihrer Steuererklärung absetzen können?

Unter Fachliteratur ist natürlich keine Tageszeitung zu verstehen, sondern ein Buch, das zu Ihrer Branche passt. Angenommen, Sie sind Programmierer und wollen C# erlernen. Alle Bücher, die Ihnen die Sprache beibringen, gehören zur absetzbaren Fachliteratur.

Auch Fortbildungskosten sind Betriebsausgaben, wenn ein Bezug zu Ihrer unternehmerischen Tätigkeit erkennbar ist. Absetzbar sind Kosten für den Kurs, aber auch für die Anfahrt und Übernachtung.

4. Mit einem Arbeitszimmer sparen

Die Nutzung des Arbeitszimmers in den eigenen vier Wänden kann steuerlich geltend gemacht werden, wenn es vom privaten Wohnbereich getrennt ist. Unter anderem sind absetzbare Kosten:

  • Reinigung
  • Energie
  • Wasser
  • Versicherungen
  • Instandhaltung

Wenn das Arbeitszimmer der Mittelpunkt Ihrer Selbstständigkeit ist, können alle anfallenden Kosten abgesetzt werden; ansonsten gilt der Höchstbetrag von 1.250 Euro; bei einer gemischten Nutzung (privat und beruflich) ist kein Abzug möglich.

Extra-Tipp: Wenn sich für Sie kein Arbeitszimmer lohnt, weil Sie häufig auf Dienstreisen sind, sollten Sie die Kosten in Coworking-Spaces absetzen. Heben Sie die Belege auf, damit Sie die Nutzung der Büroräume nachweisen können.

5. Kosten für die Website absetzen

Als Freelancer besitzen Sie mit Sicherheit eine eigene Website. Wenn nicht, dann sollten Sie sich eine Onlinepräsenz erstellen (lassen) und die Kosten absetzen.

Viele Freelancer vergessen ihre Portale im Internet bei ihrer Steuererklärung. Dabei handelt es sich um ihre primäre Anlaufstelle für Neukunden. Folgendes können Sie absetzen:

  • (laufende) Kosten für Domain, Webspace, CDN, etc.
  • Erstellung und Instandhaltung der Website
  • Kosten für Portale, wie projektwerk.com

Die Kosten sind absetzbar, wenn die Website beruflich verwendet wird. Es spielt keine Rolle, ob es sich um Ihr Portfolio, ein Forum oder einen Blog handelt.

6. Mit Sponsoring die Stuerlast mindern

Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften können Sie als Freelancer Ihre Betriebseinnahmen nicht mit Spenden an gemeinnützige Organisationen mindern. Beim Sponsoring sieht es anders aus. Da Sponsoring Ihren Bekanntheitsgrad steigert, wird es als Werbemaßnahme anerkannt. Aber: Das Sponsoring darf Ihnen keinen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen.

7. Steuersatz von 28,5 Prozent beantragen

Wenn Sie Einzelunternehmer sind, unterliegen Sie dem Einkommensteuersatz von 42 Prozent. Gemäß § 34a EStG ist es möglich, die Besteuerung von 28,25 Prozent für nicht entnommene Gewinne zu beantragen.

Angenommen, Sie erzielen einen jährlichen Gewinn von 100.000 Euro, von dem Sie die Hälfte entnehmen. Für die restlichen 50.000 Euro beantragen Sie die Besteuerung mit 28,25 Prozent anstelle von 42 Prozent. Der Vorteil wird in der nachfolgenden Tabelle ersichtlich:

Besteuerung

42%

28,25%

Einkommenssteuer

21.000,00 €

14.901,88 €

Solidaritätszuschlag

1.155,00 €

776,88 €

Steuerbelastung, gesamt

21.155 €

14.901,88 €

Durch die begünstigte Besteuerung sparen Sie rund 7.253 Euro.

Folgende Voraussetzung gilt für die begünstigte Besteuerung: Die Gewinnermittlung muss mittels einer Bilanz erfolgen. Außerdem kommt es zu einer Nachversteuerung, wenn Sie den Gewinn später für private Zwecke entnehmen. Verwenden Sie die Summe deshalb am besten für Investitionen.

8. Mit Istversteuerung die Liquidität erhöhen 

Wenn Sie umsatzsteuerpflichtige Umsätze erbringen, unterliegen Sie automatisch der Sollversteuerung und Sie müssen die Umsatzsteuer an das Finanzamt überweisen. Sie können jedoch einen Antrag auf die Istversteuerung stellen. In diesem Fall zahlen Sie die Umsatzsteuer erst, wenn der Kunde die Rechnung begleicht.

9. Betriebsausgaben für privatem Archivraum

Sie haben kein eigenes Büro und möchten keinen Raum mieten, um Ihre Buchhaltungsunterlagen aufzubewahren? Angenommen, die Kosten für diesen Raum würden inklusive Miete und Energie 800 Euro betragen. Nutzen Sie stattdessen einen Raum in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung und setzen Sie die Kosten als Betriebsausgabe in voller Höhe ab.

10 Software für Rechnungen und Steuererklärung

Professionelle Rechnungen schreiben Freelancer in speziellen Programmen oder Onlinetools – und die Kosten sind natürlich als Betriebsausgabe absetzbar. Selbes gilt für Ihr Steuerprogramm, unabhängig davon, ob es sich um eine Software oder eine Webversion handelt.

Fazit: Sparpotenziale nicht entgehen lassen!

Freelancer verfügen über ein großes Sparpotenzial in ihrer Steuererklärung. Mit der Umsetzung unserer 10 Tipps, sollte sich Ihr Gewinn am Ende des Geschäftsjahres entsprechend erhöhen.

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2 Gedanken zu „Die 10 besten Steuertipps für Freelancer

  1. Olaf Barheine

    11) Den Kauf des neuen Notebooks ins Jahr 2018 verschieben. Ab 2018 erhöht sich nämlich die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von derzeit 410,- auf 800,- Euro netto. 🙂

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