Aktuelle Rechtslage zur Scheinselbstständigkeit bei Freelancern | projektwerk

Scheinselbstständigkeit – aktuelle Rechtslage 2018

Die Gesetze gegen die Scheinselbstständigkeit sorgen seit Jahren für Unsicherheit bei Selbstständigen (insbesondere bei Freelancern) und ihren Auftraggebern. Wir beleuchten das Thema und zeigen anhand von Beispielen und Gerichtsurteilen, wie es denn nun um die Scheinselbständigkeitsthematik bestellt ist.

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Definition: Scheinselbstständigkeit

Scheinselbstständige Personen sind Selbstständige (z.B. Freelancer), die gemäß ihrem Vertrag Leistungen für ein Unternehmen erbringen, in der Realität aber mit diesem ein abhängiges, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis pflegen.

Die Deutsche Rentenversicherungsanstalt geht seit Jahren verstärkt gegen Scheinselbstständigkeit vor, weil diese die Einnahmen der Sozialkassen reduziert. Aus diesem Grund sollten Sie keinesfalls in diese Situation geraten, da Ihnen unter anderem hohe Nachzahlungen in die Sozialversicherungskassen drohen.

Folgende Anhaltspunkte deuten darauf hin, dass bei einem Selbstständigen eine Scheinselbstständigkeit vorliegt:

  • festgelegte Arbeitszeiten
  • Urlaubsanspruch
  • feste Prozessintegration
  • Pflichten zum Reporting

Das sind nur einige Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass eine Scheinnselbstständikgeit vorliegt. Sind diese gegeben, wenn auch nur zum Teil, kommen noch weitere Bewertungskriterien hinzu:

  • Ihr Gesamtumsatz stammt größtenteils (über 80%) von einem Auftraggeber
  • Sie arbeiten langfristig nur für einen Kunden
  • Sie haben keinen Unternehmensauftritt (Webseite, Werbung, etc.)
  • Sie nehmen an Weiterbildungsmaßnahmen des Auftraggebers teil
  • Ihr Einkommen unterscheidet sich kaum von dem eines Angestellten
Kurz gesagt: Sie arbeiten als Scheinselbstständiger wie ein Angestellter des Auftraggebers, sind jedoch offiziell als Freelancer / freier Mitarbeiter tätig.

Verträge: Schutz vor Scheinselbstständigkeit?

Da sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer von der Scheinselbstständigkeit betroffen sein können, sind gut ausgearbeitete und rechtlich geprüfte Verträge sehr wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, dass sich alle Beteiligten an die Modalitäten dieser Verträge halten. Mögliche Vertragsformen sind:

Lohnen sich Zusatzvereinbarungen?

Viele Auftraggeber wollen sich gegen die Risiken der Scheinselbstständigkeit absichern, indem sie Zusatzvereinbarungen mit dem Auftragnehmer treffen. Ziel dieser Vereinbarung ist es, eine Scheinselbstständigkeit auszuschließen und sich so gegen Konsequenzen abzusichern. Darin wird unter anderen festgelegt, dass der Freelancer maximal 80 Prozent seines Umsatzes bei dem Auftraggeber generiert oder der Auftragnehmer lediglich Gast im Hause des Auftraggebers ist. Die Formulierungen sind sehr vielfältig.

Beispiel für eine solche Zusatzvereinbarung:

 “Grundsätzlich sind die von dem Lieferanten / Auftragnehmer gestellten Gäste keine Arbeitnehmer des Lieferanten. Der Lieferant wird prüfen und sicherstellen, dass keine Scheinselbstständigkeit der  von XY gestellten Gäste vorliegt. Sollte ein Gast als nicht selbstständig beschäftigt einzustufen sein, hat der Lieferant XY von allen hieraus entstehenden immateriellen und materiellen Nachteilen freizustellen.”

Sowohl bei den regulären Verträgen als auch bei den Zusatzvereinbarungen gilt: Entscheidend für die Einstufung zur Scheinselbstständigkeit ist die gelebte Zusammenarbeit.

Die Konsequenzen der Scheinselbstständigkeit

Statistik Statusfeststellungsverfahren Scheinselbstständigkeit

Grafikquelle: scheinselbstaendigkeit.de

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine Überprüfung bei der Clearingstelle beantragen, um eine Scheinselbstständigkeit auszuschließen. Diese Überprüfung wird offiziell als Statusfeststellungsverfahren bezeichnet. Die Schwierigkeit bei diesem Verfahren ist jedoch, dass die zuständige Behörde (Deutsche Rentenversicherung) sehr häufig zu dem Ergebnis kommt, dass es sich um eine Scheinselbstständigkeit handelt. Da der Prüfer gleichzeitig der finanziell Begünstigte ist, ist eine objektive Beurteilung der Angelegenheit sehr schwierig. Die Anwalts- und Gerichtskosten, die bei einem Widerruf seitens des Freelancers und/oder des Auftraggebers entstehen, müssen zudem, unabhängig vom Ausgang der Verhandlung, vom Freelancer und/oder Auftraggeber übernommen werden. Bei Verdacht (ohne, dass Sie eine Überprüfung beantragt haben) wird diese vom Finanzamt oder der Rentenversicherung automatisch initiiert.

Wenn Sie von sich aus proaktiv ein Statusfeststellungsverfahren anstreben, ist es empfehlenswert, wenn Sie sich im Vorfeld rechtlich zu der Thematik beraten lassen.

Sollte eine Scheinselbstständigkeit festgestellt werden, hat diese entsprechende Folgen:

  • als Freelancer müssen Sie Ihre steuerrechtliche Situation sortieren
  • anschließend sind Auftragnehmer und Auftraggeber verpflichtet, alle Sozialversicherungs- und Lohnsteuerbeiträge nachzuzahlen

Sofern Sie als Freelancer es möchten, können Sie vor dem Arbeitsgericht Ihren Arbeitnehmerstatus einklagen; haben Sie damit Erfolg, erhalten Sie bei Ihrem Auftraggeber den Status eines Angestellten.

Eine weitere und weitaus sinnvollere Alternative zur eigenständigen Statusüberprüfung ist das Aufsuchen eines Fachanwaltes. Dieser kann anhand der Vertragslage und der eigentlichen Arbeitsgestaltung hilfreiche Hinweise geben. So können sowohl Freelancer als auch Auftraggeber vorbeugend aktiv werden.

Urteile zur Scheinselbstständigkeit

Wenn der Freelancer und /oder der Auftraggeber die Einstufung als Scheinselbstständiger anzweifeln, geht der Fall vor Gericht. Hier sind einige Urteile aus den vergangenen Jahren.

Urteile, die eine Scheinselbstständigkeit bestätigen:

  • Krankenschwestern können nicht auf selbstständiger Basis arbeiten, weil sie ärztliche Anweisungen befolgen und in die Organisation des Krankenhauses eingebunden sind (Az. S 10 R 3237/15).

Urteile, die die Selbstständigkeit bestätigen:

  • Dem Honorar eines Heilpädagogen wurde eine besondere Rolle zuteil. Es lag deutlich über dem Entgelt eines Arbeitnehmers, sodass das Bundessozialgericht entschied, dass es ein Indiz für eine selbstständige Tätigkeit sei (Az. B 12 R 7/15 R).
  • Die Bereitschaftsbetreuung kann auf selbstständiger Basis ausgeübt werden. Auch wenn die Betreuer sich an den Vorgaben des Jugendamtes orientieren, sind sie bei der Gestaltung der Betreuung relativ frei (Az. S 33 R 773/13).
  • Der Landkreis Erlangen-Höchstadt darf selbstständige Freiberufler als Heilpädagogen auf Honorarbasis als Erziehungsbeistand beauftragen. U.a. deshalb, weil das Honorar der Heilpädagogen deutlich über dem von Angestellten liegt (Az. L 16 R 1062 / 13).

Die genannten Fälle zeigen, wie schwierig die Beurteilung einer Scheinselbstständigkeit sein kann und dass immer mehrere Gesichtspunkte in die Betrachtungen einfließen müssen. Aus diesem Grund ist es ungemein wichtig, dass klare Regelungen in Form von Verträgen geschaffen werden, die sowohl Auftraggeber als auch Freelancer entsprechend schützen.

Häufig gestellte Fragen zur Scheinselbstständigkeit

Abschließend haben wir für Sie einige FAQ zur Scheinselbstständigkeit mit den am häufigsten gestellten Fragen vorbereitet. Sollten Ihre Fragen noch nicht dabei sein, hinterlassen Sie uns bitte einen Kommentar unterhalb des Artikels, damit wir diese zusammen mit der Antwort aufnehmen können.

Ist Scheinselbstständigkeit erlaubt?

Scheinselbstständigkeit ist natürlich nicht erlaubt. Freelancer, die scheinselbstständig sind, haben einen finanziellen Vorteil gegenüber tatsächlichen Angestellten – und das gilt auch für ihre Auftraggeber.

Ab wann liegt Scheinselbstständigkeit vor?

Ab jenem Zeitpunkt, ab dem erkennbar ist, dass der Freelancer nicht selbstständig oder freiberuflich tätig ist, sondern von einem Auftraggeber abhängt und die Zusammenarbeit einem Angestelltenverhältnis entspricht.

Welche Folgen hat die Scheinselbstständigkeit?

Freelancer und Auftraggeber sind bei Scheinselbstständigkeit zur Beitragsnachzahlung gezwungen.

Wer prüft die Scheinselbstständigkeit?

Die Deutsche Rentenversicherung prüft alle vier Jahre, ob eine Scheinselbstständigkeit vorliegt.

Wie kann das Risiko minimiert werden?

Freelancer können sich von einem Anwalt, einem Steuerberater sowie der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen. Im Grunde sollten sie es vermeiden, von einem Auftraggeber abhängig zu sein, weshalb eine entsprechende Beratung ohnehin sinnvoll ist.

Buchempfehlungen

Wenn Sie sich noch tiefer in die Materie einarbeiten möchten, empfehlen wir Ihnen nachstehende Bücher. Diese beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Scheinselbstständigkeit in der Praxis – drei Beispiele

Drei Beispiele, die in der Praxis immer wieder anzutreffen sind, verdeutlichen das Problem der Selbstständigkeit:

Beispiel 1

Ein junges Entwicklerteam beschäftigt eine ehemalige Angestellte, die ihre Elternzeit abgeschlossen hat. Sie möchte einige Stunden pro Tag nebenbei für ihre alte Firma arbeiten. Weil sie noch für andere Kunden tätig ist, möchte sie aber gern als Freelancer arbeiten.

Nach einem Jahr wächst der Arbeitsumfang und gleicht einem Vollzeitjob; für andere Kunden ist sie aus Zeitgründen nicht länger tätig. Nach einer Projektflut nimmt sie sich zwei Wochen Urlaub bei ihrem Auftraggeber. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub wird beschlossen, dass sie einen PC im Büro verwenden kann, um ihre Arbeit zu erleichtern.

Hier handelt es sich um einen klassischen Fall der Scheinselbstständigkeit. Diese hat sich nach einer bestimmten Zeit entwickelt und lag nicht von Anfang an vor. Folgendes spricht für die Scheinselbstständigkeit:

  • Abhängigkeit von einem Auftraggeber
  • Verwendung seiner Betriebsmittel
  • Urlaubsanspruch

Beispiel 2

Das Unternehmen eines Projektmanagers musste Insolvenz anmelden. Nach einer längeren Arbeitslosigkeit schlägt ein Betrieb ihm vor, für ihn zu arbeiten. Dem Projektmanager wird angeboten, ein junges, dynamisches Team und dessen Projekte zu betreuen. Der Freelancer ist nicht von zu Hause aus tätig und koordiniert die Projekte online, sondern von dem Büro des Betriebes aus. Dort stehen ihm Betriebsmittel zur Verfügung, Kaffee und andere Verpflegungen; auch ein Zugang zum betriebsinternen Fitnessstudio gehört zum Leistungspaket.

Erneut liegt Scheinselbstständigkeit vor, dessen Anhaltspunkte jenen aus dem ersten Beispiel ähneln. Der Unterschied liegt darin, dass die Scheinselbstständigkeit von Anfang an zu erkennen ist. Beide Seiten hätten feststellen müssen, dass es sich nicht um selbstständiges Arbeiten handelt.

Beispiel 3

Eine Café-Betreiberin im Landkreis Main-Spessart wurde wegen Nichtzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen verurteilt. Von 2008 bis 2012 hatte sie eine scheinselbstständige Bedienung beschäftigt. Die Angeklagte gab vor Gericht an, ihres Wissens nach habe sie alles richtig gemacht und keine Steuern hinterziehen wollen. Sie hätte die Servicekraft sogar gerne angestellt, diese habe das jedoch nicht gewollt und konnte eine Gewerbeanmeldung und eine Steuernummer vorlegen. Ihr Steuerberater bestätigte ebenfalls, dass alles in Ordnung sei.

Auch die Servicekraft habe nicht damit gerechnet. Ihr Traum war es, sich als Servicekraft in der Gastronomie selbst etwas aufzubauen. Sie meldete ein Gewerbe an, ließ sich ein Logo erstellen, stellte stets Rechnungen und zahlte ihre Versicherungen privat. Außerdem arbeitete sie für mehrere Arbeitgeber, oft sieben Tage die Woche.

Aufgrund einer anonymen Anzeige wurden Prüfer des Hauptzollamtes vorbeigeschickt. Diese stellten eine Scheinselbstständigkeit fest, da eine „Eingliederung in den Arbeitsbetrieb“ bestehe. Die Servicekraft war nämlich im Dienstplan eingetragen. Außerdem wurde die Servicekraft – wie die Angestellten auch – nach Stunden bezahlt und trug das unternehmerische Risiko nicht selbst. Die Café-Betreiberin wurde zu einer Strafe von 3.600 Euro verurteilt und muss zudem fast 30.000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen und Säumniszuschlägen nachzahlen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 16.07.2018 aktualisiert.

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18 Gedanken zu „Scheinselbstständigkeit – aktuelle Rechtslage 2018

  1. Olaf Barheine

    Warum werden eigentlich in solchen Artikeln stets die Freelancer kriminalisiert? Wenn ein Auftraggeber einen Freelancer wie seinen Angestellten behandelt und dabei von der DRV erwischt wird (auch das Finanzamt soll Verdachtsfälle nach Berlin melden), dann hat in erster Linie der Auftraggeber ein Problem. Der Freelancer hat dagegen nicht viel zu befürchten. Eine Selbstauskunft bescheinigt übrigens nur, dass man in der Vergangenheit nicht scheinselbständig war. Das kann morgen schon wieder ganz anders aussehen.

  2. Norbert Voßiek

    „Nur die dümmsten Kälber wählen sich den Schlachter selber.“

    Für mich ist unverständlich, wie man einem Freelancer zu einer Überprüfung der Scheinselbständigkeit durch die DRV raten kann (zumindest wäre mindestens ein einziger für den Freelancer erfolgreicher Fall von Nutzen). Die DRV ist dann ja gleichzeitig Gutachter und Nutznießer, und ich garantiere allen Beteiligten: Die DRV hat niemals genug Geld, wird also im Regelfalle die Rechtslage mindestens solange zu ihren Gunsten denen, bis sie von der Rechtssprechung eingenordet wird.

    Anekdote am Rande: Bei einem großen Kunden in Bonn musste mal der auch uns prüfende Anwalt das Haus verlassen, weil er scheinselbständig war. Oops.

  3. Burkard

    Wenn der sogenannte Scheinselbständige einkommensgerechte Sozialabgaben vollständig alleine zahlt, also z.B. freiwillige KV-u. Pflegevers.-Beiträge sowie evtl. in einem Versorgungswerk z.B. als Mediziner den Arbeitgeberanteil und den Arbeitnehmeranteil alleine entrichtet und sich zudem evtl. auch noch bei der BG angemeldet hat und innerhalb eines bestimtmen Zeitrahmens bei Beginn der angeblichen Selbständigkeit bei der BA freiwillig gegen Arbeitslosigkeit abgesicher hat, kann er nachträglich mit keinerlei Nachforderungen der Sozialeinrichtungen konfrontiert werden. Dann hat alleine der sogenannte Auftraggeber, sprich der Arbeitgeber, ein Problem, zumal auch der Betroffene wohl auch rückwirkend die eigentlich vorenthaltenen Arbeitgeberanteile einfordern kann.

  4. Wolfgang

    Ntürlich gibt es Alternativen zu dem Vorgehen – gerade bei Selbstständigen im IT-Bereich. Ich muss ja nicht notwendigerweise in Deutschland anwesend sein, wenn der Kunde halbwegs mitspielt. Und meine Firma… Aber der restliche Teil der Antworten würde die Bundesregierung verunsichern.

  5. Jörg Iffländer

    Mich würde interessieren, wo Sie diese Informationen recherchiert haben, da ich sie häufig nicht nachvollziehen kann bzw. als falsch erachte.

    Z. B.: im Artikel:
    Meiden Sie zudem noch folgende Punkte:
    •Ihr Gesamtumsatz stammt größtenteils von einem Auftraggeber
    •Sie arbeiten langfristig nur für einen Kunden
    […]

    Das ist so nicht richtig.
    Diese Punkte können dazu führen (5/6 Regelung), dass man arbeitnehmerähnlicher Selbständiger ist. Damit wird man rentenversicherungspflichtig, ist aber nicht scheinselbständig sondern nach wie vor selbständig.

    Seit 2003 gibt es den Begriff Scheinselbständigkeit – und seitdem hat sich die Definition dieses Begriffes mehrfach durch Entscheidungen der Deutschen Rentenversicherung (Statusfeststellungen) und durch Entscheidungen der Sozialgerichte geändert. Der in 2003 von der Dt. RV geschaffene Kriterienkatalog zur Feststellung der Scheinselbständigkeit existiert nicht mehr. Seit 2009 steht nicht mehr die Beziehung Auftragnehmer – Auftraggeber im Mittelpunkt, sondern die Ausgestaltung des einzelnen Projekts bzw. Auftrags. Nicht mehr der Selbständige verliert den Status der Selbständigkeit mit allen Konsequenzen bei all seinen Tätigkeiten, sondern ein einzelnes Projekt – und gehe es auch nur über Tage – wird sozialversicherungspflichtig.

    Man unterscheidet 2 Fälle

    1. Arbeitnehmerähnliche Selbständige: hier tritt nur Rentenversicherungspflicht ein. Diese zahlt der selbständige Auftragnehmer allein.

    2. Scheinselbständige mit Arbeitnehmerstatus: hier tritt rückwirkend (4 Jahre) volle Sozialversicherungspflicht ein – diese Beiträge trägt der Auftraggeber. Neben der SV-Pflicht tritt der Arbeitnehmerstatus ein – mit allen arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Der ehemals als Auftragnehmer eingekaufte Selbständige wirkt rückwirkend Mitarbeiter im Unternehmen mit allen Vor- und Nachteilen.

    1. Beatrice Schmidt Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Iffländer,

      vielen herzlichen Dank, dass Sie hier noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet haben. Tatsächlich sind uns, die von Ihnen angeführten Punkte mit dieser Konsequenz so noch nocht bekannt gewesen.

  6. Michael Jansen

    Als einer der wenigen Freelancer die praktische Erfahrung mit dem Thema haben kann ich nur einen Tipp geben.

    NIEMALS mit der Clearingstelle Kontakt aufnehmen. NIEMALS eine Prüfung selbst anstoßen. Das Ergebnis steht zu 99% vorher fest und kostet den Freelancer Geld. Dazu kennen die jetzt ihren Namen und kommen immer wieder.

    1x als Scheinselbstänbdig eingestuft. Geklagt, gewonnen und auf Anwaltskosten sitzen geblieben.

    Daraufhin 1x als Sozialversicherungspflichtiger Selbständiger eingestuft. Geklagt gewonnen und auf Anwaltskosten sitzen geblieben.

    Der Rat freiwillig mit der Clearingstelle Kontakt auf zu nehmen disqualifiziert jeden Artikel oder Rat zum Thema Selbständig und Sozialabgaben.

    Vor Gericht zu verlieren kostet die Clearingstelle NICHTS. Also probieren sie es einfach.

  7. John Hanke

    Hi, ich bin deutscher Staatsbürger, verh. und lebe mit meiner Frau auf den Philippinen, meine Frau ist Filipina. Ich habe meinen 1. Wohnsitz auf den Philippinen und zahle dort Steuern, wenn ich kleine jobs habe. In meinem Paß steht, daß ich keinen festen Wohnsitz in Deutschland habe. Ich bin seit 2 Jahren in Rente. Habe jetzt von einer deutschen Firma ein Angebot bekommen, für 2,5 Monate auf eine Baustelle in Polen zu gehen. Ich möchte einen Freelancer Vertrag haben und keinen Anstellungsvertrag. Wie ist die Rechtslage, wie ist die steuerliche Komponente? danke, John

    1. Beatrice Schmidt Beitragsautor

      Hallo John,

      da wir keine Rechtsberatung machen, empfehlen wir Ihnen sich in dieser Frage einen rechtlichen Rat bei einem Fachanwalt einzuholen. Eventuell reicht hier schon ein kurzes Telefonat?! Unter anwalt.de finden beispielsweise Fachanwälte für Arbeitsrecht.

      Viele Grüße, Ihr
      projektwerk-Team

  8. Pingback: Die Risiken der Scheinselbstständigkeit |

  9. Pingback: 10 Fehler, die Freelancer vermeiden sollten |

  10. Kapp Fridolin

    Werden Handelsvertreter (nach HGB 84c tätig) im Sinne der Scheinselbständigkeit grundsätzlich wie ein Freelancer beurteilt oder besteht eine beschränkte Weisungsbefugnis ?
    Wann besteht Scheinselbständigkeit ?
    a) durch Abschluss eines Ausschließlichkeitsvertrag (Wettbewerbsklausel) und 100% Tätigkeit?
    b) durch Umsatzvorgaben mit Provision und Boni ?
    c) durch Abarbeitung sogen. Leads, die, wenn nicht sofort bearbeitet, nach 7 Tagen verfallen?
    d) durch Zurverfügungstellung von Leads, die im Auftragsfall vom HV mit 1% des Auftragswertes bezahlt werden müssen?
    e) durch die Verpflichtung von Haustürgeschäften (entsprechende Ausweise, Kleidung bis zur Winterjacke mit Logo)?

    1. Beatrice Schmidt Beitragsautor

      Hallo Herr Fridolin,

      das sind sehr gute Fragen. Da wir keine Rechtsberatung durchführen, können wir an dieser Stelle auch nur Mutmaßungen anstellen.

      Gerade bei dem letzten Punkt, fällt uns auf, dass Sie als Freelancer ja auch keine Visitenkarten des Auftraggebers mit Ihrem Namen darauf führen dürfen. Daher ist es fraglich, ob eine Firmenkleidung und entsprechende Ausweise nicht scho nein Indiz für eine Scheinselbstständigkeit darstellen.

      Auch ist eine Ausschließlichkeitsvereinbarung vermutlich nicht in Ordnung, da ein Handelsvertreter ja per Definition dadurch gekennzeichnet ist, dasser für mehrere Firmen auf eigenes unternehmerisches Risiko tätig ist.

      Bei all den Punkten, die Sie aufgeführt haben ist es sicherliche empfehlenswert an dieser Stelle sicherlich einen Anwalt zu Rate zu ziehen. Wenn Sie keinen Fachanwalt für diese Thematik haben, schauen Sie gern bei anwalt.de vorbei.

      Viele herzliche Grüße
      Ihr Team von projektwerk

  11. Stefan

    Hallo,

    solche Berichte lese ich nun seit x-Jahren. Ich bin seit 20 Jahren Freelancer und kenne persönlich
    unzählige IT-Freelancer. Ich habe bisher noch keinen Fall gehört wo jemand seinen Status verloren hat.
    Kann sein, dass es das gibt, nur kenne ich keinen. Ich bin seit 20 Jahren bei nur 2 Kunden gewesen,manchmal
    über 10 Jahre. Hat niemanden interessiert. FA hat bei Betriebsprüfung 2009 Freelancerstatus als unzweifelhaft
    eingestuft. Ich finde das Thema wird hochgepuscht, warum auch immer. Das Gesetz sollte sich ja auch an die richten die für ein paar Euro arbeiten und zur Selbstständigkeit gezwungen werden. Ich glaube kaum das Leute die einen Stundensatz von 100€ haben irgendwie verdächtig sind. Der Staat profitiert ja auch von den Steuern die dann gezahlt haben mehr als wenn man als Mitarbeiter für 1/3 Gehalt angestellt wird. Ich persönlich zahle sowieso den Höchstbetrag in die Rentenkasse freiwillig ein. Also würden die sowieso kaum was kriegen.

    1. Beatrice Schmidt Beitragsautor

      Vielen herzlichen Dank.

      Die Erfahrung, die Sie beschreiben, haben wir auch gemacht. Ein wichtiger Faktor bei der Einstufung ist u.a. der Stundensatz. Hier gibt es viele Freelancer, die tatsächlich nur ein oder zwei Auftraggeber haben und dennoch zweifelsfrei als Selbstständige eingestuft werden.

  12. Judith Kleint

    „Das sind nur einige Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass eine Selbstständikgeit vorliegt. Sind diese gegeben, wenn auch nur zum Teil, kommen noch weitere Bewertungskriterien hinzu:“
    Hier muss es doch wohl „Scheinselbstständigkeit“ heißen, oder?

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