Ein Gastbeitrag von Dr. Hans-R. Hartweg, Leiter des Studiengangs Health Economics (Gesundheitsökonomie) am Hamburger Standort der Hochschule Fresenius
Es macht keinen Unterschied, ob Selbständige bei der routinemäßigen Prüfung ihrer Geschäftskonten oder aber Arbeitnehmer bei der Durchsicht ihrer Lohnabrechnung feststellen, dass kein kleiner Teil ihres erzielten Einkommens an die Kassen der Sozialversicherung geht. Nach herrschender Meinung werden diese Gelder viel zu häufig einer für Laien nicht überschaubaren Verwendung zugeführt. Im Mittelpunkt dieser Kritik stehen dabei neben den privatwirtschaftlich agierenden Krankenversicherungen, die auf dem bundesweiten Versicherungsmarkt für Krankenvollversicherungen aber eher eine Nebenrolle spielen, auch die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, die einen wesentlichen größeren Marktanteil von über 90 % der bundesdeutschen Krankenvollversicherungen auf sich vereinen. Grund genug dafür, dass sich Krankenkassenkunden in ihren unterschiedlichen Lebenslagen - sprichwörtlich von der Wiege bis zur Bahre - wesentlich häufiger mit der von ihnen vollzogenen Krankenkassenwahl auseinandersetzen, als dies bei der Altersversorgung, der Arbeitslosigkeit oder aber der Pflegebedürftigkeit, also bei den anderen Sozialversicherungsträgern, der Fall ist.
War es in der Vergangenheit noch so, dass Krankenkassen eigene Beitragssätze festlegen konnten, um so ihren Finanzbedarf autonom zu regeln, so gelten ab 2009 die Regeln des so genannten Gesundheitsfonds. Der Gesundheitsfonds fungiert im System der gesetzlichen Krankenversicherung als Sammel- und Verteilstelle der benötigten Finanzmittel und entsprang einem gesundheitspolitischen Kompromiss. Mit der Einführung dieses Fonds hat sich die Wettbewerbssituation der Krankenkassen deutlich verschärft. Direkt von den Versicherten sind in den Fällen Zusatzbeiträge zu erheben, in denen die Krankenkassen mit den regelhaften Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht (mehr) auskommen. Mit der Erhebung solcher Zusatzbeiträge müssen Krankenkassen Farbebekennen, dass die ihnen vom System zur Verfügung gestellten Mittel nicht (mehr) ausreichen. Damit wird der Wettbewerb innerhalb der Krankenkassenlandschaft zusätzlich beflügelt.
Wettbewerbspolitisch kann dabei unterschiedlich argumentiert werden. So sind durchaus Argumente geläufig, denen nach sich auch der Wettbewerb innerhalb des Krankenkassenmarktes im freien Spiel von Angebot und Nachfrage entwickeln möge. Andere Stimmen verlangen einen regulierenden, staatlichen Eingriff, um die Krankenkassenkunden nicht mit einer hohen Varianz unterschiedlicher Angebote zu überfordern. Diese Diskussionen werden auch von den unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen geleitet, mit denen die Wettbewerber innerhalb der Krankenkassenlandschaft umzugehen haben. So sind auch und gerade die Rahmenbedingungen zu diskutieren, denen nach Krankenkassen mit ihren unterschiedlichen Versichertenstrukturen (fast zwangsläufig) einen differenzierten Finanzbedarf verzeichnen (müssen).
Die sich stetig entwickelnde Diskussion solch gesundheitsökonomischer Themen wird nicht immer interessenfrei geführt. Der für die zukünftige Ausrichtung unseres Gesundheitssystems bedeutende Diskurs sollte aber nicht ohne Kenntnis der genauen Fakten erfolgen. Aus diesem Grund hat die Hochschule Fresenius Hamburg nicht nur mit Blick auf die von ihr angebotenen, innovativen Bachelor und Masterstudiengänge im Bereich der Gesundheitsökonomie eine interessante Vortragsreihe aufgelegt, in der aktuelle Themen von hochkarätigen Referenten beleuchtet werden sollen. Die Vorträge an der Hamburger Außenalster sind öffentlich und kostenlos.
Über die “Gesundheitsökonomische Vortragsreihe“ am Hamburger Standort der Hochschule Fresenius hinaus würden mich in diesem Blog ihre Wahrnehmung und vor allem ihre Gedanken zu diesem Thema interessieren. An welchen Stellen nehmen Sie eine ggf. nicht-adäquate Verwendung ihrer gezahlten Beiträge wahr? Können Sie eine deutliche Verschärfung des Wettbewerbs in der den Krankenkassenlandschafterkennen?
Dr. Hans-R. HARTWEG, Leiter des Studiengangs Health Economics (Gesundheitsökonomie) am Hamburger Standort der Hochschule Fresenius, Campus Rabenstraße, Alte Rabenstr. 1, Hamburg (hartweg@hs-fresenius.de)


