IT-Haftpflichtversicherungen sollten mehrere wichtige Funktionen enthalten! U.a. der passive Rechtsschutz spielt häufig eine große Rolle. Folgender Schadenfall soll Ihnen den passiven Rechtschutz praxisnah erläutert.
Schadenhergang
Seit vielen Jahren erhielt eine Werbeagentur von einem Großkonzern ein jährliches hohes Werbebudget im einstelligen Millionenbereich, speziell für Internetwerbemaßnahmen. Unter anderem war die Aufgabe der Werbeagentur auf verschiedenen Websites so genannte "Pop-up-Fenster" zu schalten. Bei diesen Pop-ups wurden die Produkte des Konzerns beworben und die User konnten sich bei Interesse registrieren lassen. Der ausgegliederte Konzernvertrieb (Profit-Center) sollte die generierten Kontaktdaten (Anschrift, Telefonnummer, email-Adressen) gegen Kostenerstattung vom Konzern erhalten. Zu Validierungszwecken wurden die Datensätze zunächst an den Konzern automatisch weitergeleitet. Erst in einem zweiten Schritt sollte das Profit-Center die Datensätze erhalten.
Die Werbeagentur beauftragte einen IT-Dienstleister (Subunternehmer) der im Auftrag der Werbeagentur arbeitet. Für ein Auftragsvolumen von lediglich € 15.000 sollte der IT-Dienstleister die Pop-ups entwickeln und die erzeugten Datensätze mit einer automatischen Weiterleitungsfunktion programmieren. Wegen Kapazitätsengpässen engagierte der IT-Dienstleister für diesen speziellen Auftrag einen freien Mitarbeiter, der keine IT-Haftpflichtversicherung nachweisen konnte. Im Rahmen der Programmiertätigkeiten wurden die Microsites, wie üblich, ausführlichen Tests unterzogen. Für die gewünschte automatische Weiterleitungsfunktion wurden stets "Dummy"-E-Mail-Adressen verwendet. Die tatsächlich später eingesetzte Ziel-E-Mail wurde erst mit der Live-Schaltung eingepflegt.
Als nach mehreren Monaten kein einziger Datensatz beim Konzern eingegangen war, wunderte man sich über diese enttäuschende Werbeaktion. Da in der Vergangenheit solche Marketingmaßnahmen sehr erfolgreich verliefen, wurde nach den Ursachen geforscht und man fand sehr schnell den Fehler heraus. Der freiberufliche Programmierer hatte für die Weiterleitungsfunktion für Testzwecke in einer Datei ein "$"-Zeichen zu viel eingegeben. Damit war die Sendefunktion im realen Betrieb blockiert und die mehr als 2.900 generierten Adressen hingen noch in der Warteschleife.


