Ein Gastbeitrag von Ralph Günther, Fachautor, Versicherungsexperte und Gründer sowie Geschäftsführer der exali GmbH
24-Stunden-Überwachung, Notstrom, Klimatisierung, Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und moderne Löschanlagen: Die Gründe, warum viele Unternehmen ihre Hardware ins Rechenzentrum outsourcen, liegen auf der Hand. Dass sich jedoch genau diese Sicherheitsvorteile plötzlich zum Sicherheitsrisiko entwickeln können, daran würde wohl Niemand denken. So auch nicht ein IT-Freiberufler, der für einen Kunden dessen Hardware betreute: Durch die Verkettung unglücklicher Umstände multiplizierte sich ein kleiner Schwelbrand zum ausgewachsenen Schaden, an dessen Ende elf Festplatten zerstört waren. Mit allen unangenehmen Konsequenzen.
Schadenexperte Ralph Günther und Gründer des Versicherungsportals exali schildert den Fall, der zum teuren Sachschaden mutierte – und der zeigt, dass IT-Freiberufler immer auch an den undenkbaren Fall denken sollten.
Schwelbrand: Festplatten halten Druck der Stickstoff-Löschanlage nicht Stand
Und so kam es zu dem kuriosen Schaden im Rechenzentrum: Wie viele Andere hatte ein Unternehmen seine Hardware in der „artgerechten“ Umgebung eines Rechenzentrums mit Hilfe eines freiberuflichen IT-Experten outgesourced. Die Serverhardware gehört dem Unternehmen, das Rechenzentrum stellt lediglich die „Infrastruktur“ und Hochverfügbarkeitsanbindung an das Internet zur Verfügung (so genanntes Housing). Nach dem Umzug war der Freiberufler weiterhin per Dienstvertrag mit der Wartung des Serverclusters betraut.
Business as usual. Den offensichtlichen Vorteilen eines Rechenzentrums machte jedoch ein kleines elektrisches Bauteil einen Strich durch die Rechnung.
Dessen Überlastung (es war für den Einsatz unterdimensioniert) verursachte nämlich einen Schwelbrand, wodurch die Stickstoff-Löschanlage im Rechenzentrum ausgelöst wurde. Sie entwickelte sehr schnell hohen Druck, wodurch die Festplatten des Kunden sowie Festplatten anderer Rechenzentrumskunden in umliegenden Racks zerstört wurden (Headcrash).
Die Konsequenz: Ein Sachschaden im 5-stelligen Bereich für beschädigte Hardware sowie Kosten für die Nachbefüllung der Löschanlage. Hinzu kamen Folgeschäden (Sachfolgeschaden) in Form von Arbeitszeit und Fahrtkosten für den Austausch der Festplatten, Datenübernahme und Systemtests.
Glücklicherweise fielen die Systeme des Kunden des IT-Freiberuflers und der Leidtragenden anderen Rechenzentrumskunden, die Webshops und andere Anwendungen im Rechenzentrum betrieben, nicht komplett aus. Denn dann wäre durch Umsatzausfälle sicherlich ein weit höherer Schaden entstanden.
Systeme offline: Umsatzausfall von täglich mehreren 100.000 Euro 
