Hoch qualifizierte Fachkräfte beklagen mangelnde Förderung durch die Unternehmen und sind sich ihres Wertes für die Unternehmen bewusst. Das ergab eine Studie des Personaldienstleisters Hays.
300 fest angestellte und freiberuflich tätige Wissensarbeiter wurden für die Studie „Wissensarbeiter und Unternehmen im Spannungsfeld“ zu ihren Erfahrungen, ihrem Selbstverständnis und ihren Bedürfnissen befragt.
Drei Viertel der Befragten erwarten hohe Gestaltungsfreiräume und flexible Arbeitszeitmodelle. Dabei ist ihnen Anerkennung und Förderung wichtig, aber nur jeder Zweite fühlt sich von seinem Unternehmen ausreichend gefördert. Dabei sei der Wunsch nach persönlicher und fachlicher Weiterentwicklung stärker als der Wunsch nach einem hohen Einkommen.
Auch die Work-Life-Balance ist entscheidend für die Zufriedenheit der Wissensarbeiter: Mehr als 90 Prozent der Befragten äußerten den Wunsch, ihr Unternehmen würde sich hier um Ausgeglichenheit bemühen, aber nur 29 Prozent konnten bestätigen, dass die Unternehmen dies tatsächlich umsetzen würden – und das trotz der verstärkten Aufmerksamkeit, die das Thema in der letzten Zeit erhalten hat. „Die Bedeutung von Wissensarbeit für einen Hochlohn- und Innovationsstandort wie Deutschland ist mittlerweile unumstritten. Doch noch immer haben viele Unternehmen die sich daraus ergebenden notwendigen Konsequenzen noch nicht gezogen, um wertvolle Wissensarbeiter zu gewinnen, zu halten und zu fördern“, kommentiert Gabriele Vollmar, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Wissensmanagement, die Ergebnisse.
Stellen sich Unternehmen nicht auf die Wünsche der hoch qualifizierten Fachkräfte ein, riskieren sie, sie zu verlieren – ein hohes Risiko in Zeiten des Fachkräftemangels. Rund drei Viertel der Befragten gab an, sie seien nur schwer ersetzbar, und 58 Prozent seien bereit, das Unternehmen zu wechseln, um sich weiterentwickeln zu können. 40 Prozent der Wissensarbeiter können sich auch vorstellen, und zwar ganz konkret, sich selbstständig zu machen.
Zusammenarbeit zwischen Festangestellten und Freiberuflern
Ein Teil der Studie beschäftigt sich mit der Zusammenarbeit der Festangestellten mit Freiberuflern. Die Mehrheit der Befragten äußerte sich positiv über die Zusammenarbeit, empfindet sie als produktivitätssteigernd und gaben an, sie würden vom Wissen der Freiberufler profitieren. Auch sahen die Festangestellten die Freiberufler nicht als Konkurrenten an.
Die Freiberufler
Ergänzend wurden Freiberufler befragt. Der größte Unterschied zu den Aussagen der Festangestellten ist sicherlich, dass die Freiberufler die strategische Bedeutung von Wissen geringer einschätzen: Nur 42 Prozent fanden, Wissen sei eine wichtige strategische Ressource und werde auch so behandelt – während 71 Prozent der Festangestellten dieser Aussage zustimmten. Ein möglicher Grund dafür sei, dass Externe einen schärferen Blick hätten, so Frank Schabel, Senior Manager bei Hays in Mannheim.
Ebenfalls interessant: Nur 20 Prozent der befragten Freiberufler würden mit ihren festangestellten Kollegen tauschen. Denn flexible Beschäftigungsverhältnisse werden von der Mehrheit der Befragten bewusst gewählt und nicht als vorübergehende Lösung empfunden. Auch die Work-Life-Balance scheint bei den Freiberuflern ausgewogener zu sein. Und das, obwohl sie im Vergleich zu den Festangestellten scheinbar weniger selbstbestimmt arbeiten, wenn sie in einem Projekt sind: 60 Prozent der Festangestellten gaben an, Arbeitszeit und Arbeitsort selbst wählen zu können, im Vergleich zu 42 Prozent bei den Freiberuflern. Home Office ist bei Festangestellten weiter verbreitet als bei Externen – aber die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Freiberufler stärker in die Projekte eingebunden werden möchten. Eine bessere Integration der Freiberufler ist also ein wichtiger Schritt für Unternehmen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen den Unternehmen also Wege auf, wie sie die hoch qualifizierten Wissensarbeiter – ob Festangestellte oder Freiberufler – an sich binden können.
Die Studie ist auf 2 Jahre angelegt – die bisherigen Ergebnisse finden Sie als Download hier: wissensarbeiter-studie.de