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2008
08
Dez

Wer in einem Unternehmen angestellt ist, bekommt bestimmte Strukturen vorgegeben – seien es Arbeitsabläufe, Hierarchien oder die simple Tatsache, dass ein festes Gehalt auf dem Konto landet.
Als Freelancer existieren diese Strukturen nicht oder nur bedingt, Erfolg oder Misserfolg liegen in den eigenen Händen. Es soll Menschen geben, denen es leicht fällt, organisiert und strukturiert zu sein – ich gehöre nicht dazu. Daher habe ich ein paar Strukturen aus der Unternehmenswelt zusammengefasst, die auch für Ihre tägliche Arbeit als Freelancer und Ihre Selbst-Organisation einen Vorteil ausmachen können. Manche dieser Tipps liegen sicherlich auf der Hand, aber es schadet ja nie, sie sich noch mal vor Augen zu halten – oder?

Denken Sie an sich

1. Bezahlen Sie sich ein Gehalt
Als Freelancer ist man oft versucht, die eigene Arbeitzeit zu unterschätzen, oder sie auszudehnen – man arbeitet ja für sich selbst. Vorbereitungen, zum Beispiel für einen Pitch, Nachbesserungen und vielleicht die Detailarbeit – berechnen Sie Ihren Kunden diese Leistungen? Haben Sie einen Überblick über Ihre Arbeitszeit?
Obwohl Sie für sich selbst arbeiten, sollten Sie sich ein Gehalt zahlen. Das muss nicht heißen, dass Sie einen monatlichen Dauerauftrag einrichten. Behalten Sie nur im Kopf, dass es sich um Arbeit handelt und Sie ein Produkt liefern. Außerdem hilft es Ihnen, einen Überblick über Ihre tatsächlichen Einnahmen und eventuelle Über- oder Unterschüsse zu behalten.

2. Incentives, Gewinnbeteiligungen, Motivation
In größeren Unternehmen erhalten die Angestellten finanzielle Anreize, besonders engagiert zu sein, wie Gewinnbeteiligungen oder Boni.
Dieses Prinzip sollten Sie auch für sich selbst anwenden, denn seien wir ehrlich – was motiviert mehr als die Aussicht auf eine Belohnung? Vergessen Sie also nicht, sich für Erfolge zu belohnen, und sei es nur ein schönes Essen im Restaurant, ein paar neue Schuhe oder ein technisches Gadget, das Ihnen Freude bereitet (und Sie nicht nur bei der Arbeit unterstützt…).

3. Die Rente
Einer der Punkte, die Freelancer gerne „vergessen“, ist die Rente. Was dem Angestellten abgenommen wird, muss der Freelancer selber organisieren. Und oft tut man es eben nicht, schiebt es immer wieder auf oder hat das Gefühl, es sich eigentlich nicht leisten zu können. Die Absicherung der Zukunft aber ist etwas, was man sich trotz allem leisten sollte.

Das Ziel im Auge behalten

4. Der Businessplan
Als Freelancer wird Ihr Businessplan zwangsläufig schlanker ausfallen als der eines Unternehmens. Nichtsdestotrotz ist er eine wichtige Basis für Ihre Arbeit. Besonders wichtig ist: Verschriftlichen Sie Ihren Businessplan. Nicht nur werden Sie währenddessen feststellen, dass Sie ihn sorgfältiger durchdenken, Sie haben auch später die Möglichkeit, den Status Quo abzugleichen. Um das zu gewährleisten, seien Sie so konkret wie möglich in Ihren Zielsetzungen. Vergessen Sie nicht, festzuhalten, wie Sie Ihre Ziele erreichen wollen.

5. Bauchgefühl und Monitoring
Das Bauchgefühl ist eine wichtige Sache – aber nicht sehr objektiv. Natürlich haben Sie ein Gefühl, ob es gut läuft oder schlecht. Das ist jedoch nur eine sehr grobe Richtung. Ein genaueres Richtungsgefühl vermittelt Ihnen ein simples Analysetool, das z.B. die Zahl an Kontakten, Angeboten / Pitches, unterschriebene Verträge auflistet. Und sei es eine Excel-Liste.

6. Das Feedback-Gespräch
In Unternehmen inzwischen Alltag, sollte das Feedback-Gespräch auch von Freelancern genutzt werden. Bleiben Sie dabei auch sich selbst gegenüber professionell – entwickeln Sie einen Fragen-Katalog, den Sie regelmäßig beantworten. So entdecken Sie Schwachstellen und Stärken, vielleicht sogar Wege, wie Sie die Schwachstellen beseitigen können.

7. Das Status-Meeting
Das mag sich etwas lächerlich anhören, aber wenn Sie ein wöchentliches Status-Meeting abhalten, bringen Sie Struktur in Ihren Arbeitsalltag. Schauen Sie sich Ihren Businessplan an, analysieren Sie Ihr Monitoring, oder machen Sie einfach das, was wir alle von Meetings kennen: Beschäftigen Sie sich mit den nüchternen Zahlen und machen Sie sich Gedanken. Wie kann es weitergehen? Was sind die nächsten Schritte? Haben Sie schon einige Ihrer gesetzten Ziele erreicht? Wichtig: Lassen Sie sich nicht ablenken. Telefonieren, Mails schreiben, twittern, oder was Sie sonst so tun, sind während des Meetings Tabu.

Raus aus dem Vakuum

8. Vergessen Sie die Konkurrenz nicht
Während man sich als Angestellter in einem Unternehmen mit der Konkurrenz vergleichen und sich von ihr abgrenzen kann, ist es als Freelancer weitaus schwieriger, dies zu tun. Man hat keine Zahlen vorliegen, und – niemand zwingt einen dazu, den Vergleich zu suchen. Was Sie tun können: Befragen Sie Ihre Kunden – besonders die Kunden, die Sie verloren haben.

9. Marketing
Auch wenn Sie keinen Marketing-Abschluss von einer Universität haben, unterschätzen Sie Marketing nicht. Nutzen Sie Social Networking und Microblogging-Dienste wie twitter, um sich einen Namen zu machen und Kontakte zu knüpfen. Schließen Sie sich einem oder mehreren Netzwerk an, nutzen Sie projektwerk, um Ihr Produkt anzubieten und Aufträge zu akquirieren – kurz: Seien Sie aktiv, machen Sie sich sichtbar. Und vergessen Sie nicht, den Effekt Ihrer Anstrengungen zu messen und sie danach anzupassen. Nichts ist ineffektiver als wahlloses Marketing.

Der Arbeitsplatz

10. Ordnung
Halten Sie Ordnung. Ja, das hört man nicht gerne. Aber Tatsache ist, dass praktische Ordnung hilft, den Überblick zu behalten. Ein Tisch mit riesigen Papierbergen ist weit weniger einladend als ein aufgeräumter Tisch. Außerdem sparen Sie die Zeit, die Sie sonst zum Suchen brauchen. Stellen Sie sich einfach vor, ob Ihr Schreibtisch in einem Unternehmen so aussehen würde wie der, den Sie jetzt wahrscheinlich anschauen. Ja? Dann wissen Sie vermutlich, wovon ich rede (auch wenn mein eigener Schreibtisch ganz und gar nicht vorbildlich aussieht…).

11. Trennen Sie Arbeit und Privatleben
Auch wenn die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben dank web2.0 und work2.0 immer weiter verwischt wird – sie sollte nicht ganz verschwinden. Mit Privatleben meine ich nicht Ihren Facebook-Account, sondern die Zeit, die Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden verbringen, oder mit sich selbst. Die meisten Freelancer arbeiten zu Hause – also finden Sie eine Möglichkeit, Ihr Büro ausschließlich als solches zu betrachten, lassen Sie sich dort nicht ablenken, egal, wie verlockend das von Zeit zu Zeit sein mag. Das gilt auch andersherum – lassen Sie nach Feierabend Ihre Arbeit in Ihrem Büro.

7 Antworten zu "Struktur im Freiberufler-Leben – 11 Tipps!"

[...] alle, die für ihren Freelanceralltag noch nach eben solchen suchen, gibt es hier vielleicht ein paar nützliche Tipps und [...]

Hi,
hab gerade mal Ihre Freelancer Tipps durchgelesen. Die sind ja soweit ok. Man kann aber skeptisch werden, wenn der Autor sie selbst nicht befolgt und auch noch stolz darauf zu sein scheint (à la: in Mathe war ich ja immer schlecht…). Ja, das ist dann Pech, kein Grund stolz zu sein, sondern ein Grund das schleunigst zu ändern. Das Beispiel unten zeigt es ganz gut und sorgt, meiner Meinung nach, dafür, dass die Glaubwürdigkeit der ganzen Tipps dahin ist.

10. Ordnung
Halten Sie Ordnung. … Stellen Sie sich einfach vor, ob Ihr Schreibtisch in einem Unternehmen so aussehen würde wie der, den Sie jetzt wahrscheinlich anschauen. Ja? Dann wissen Sie vermutlich, wovon ich rede (auch wenn mein eigener Schreibtisch ganz und gar nicht vorbildlich aussieht…).

Gruß,
Frank Kupke

Lieber Herr Kupke,
man bedenke: Selbsteinsicht ist der erste Schritt zu Besserung… Da stellt sich dann die Frage: Macht eben diese Erkenntnis das theoretische Wissen unglaubwürdig?
Gruß,
Maike Feddersen

Guten Tag,
ich als jahrelange Freelancerin werde nun auch mal meinen Senf zu diesen Tipps abgeben, ich schliesse mich grösstenteils der Meinung von Kupke an, muss aber sagen, dass mir Tipp Nr. 9 etwas ins Auge sticht. Ich war zwar an der Uni habe dort auch Medientechnologien und Medienwissenschaften studiert aber Marketing speziell haben wir nicht behandelt, ausser in kleinen Blöcken. Wer behauptet dass man so etwas an der Universität lernt, also da hinken die Deutschen teilweise sehr hinterher, habe noch 2 Semester in Basel studiert (der Platzmangel ist grauenhaft gewesen, aber dafür gibt es sehr viel Deutsche da, fast zu viel wie ich persönlich finde, wollte doch Schwizerdütsch verstehen lernen) hier wird einem auch nur etwas Marketingstrategie vermittelt. Ich würde sogar sagen, wer eine Lehre in einer Werbeagentur/büro gemacht hat, versteht weitaus mehr von Marketing als eine Exmatrikulierter!
Grüssle die Mausi

Kurze Anmerkung zu folgendem:

…” denn seien wir ehrlich – was motiviert mehr als die Aussicht auf eine Belohnung?”

Belohnung kann unter Umständen sogar schädlich sein für den Arbeitseifer. Es gibt einen sogenannten Korrumpierungseffekt. Dieser tritt dann auf, wenn man für Arbeiten belohnt wird, die man eigentlich gerne tut.

(genauer nachzulesen hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Korrumpierungseffekt )

Wenn man sich also belohnt, dann bitte nur für die Arbeiten, von denen man sicher weiss, das man sie nicht mag.

[...] mehr Tipps finden Sie hier. [...]

Hallo,

im Großen und Ganzen sind die Tipps gerade für Einsteiger recht wertvoll. Danke dafür!

Ich arbeite nun seit knapp 4 Jahren als Freiberufler. Ich weiß sehr wohl die Vorteile einer solchen Arbeitsweise zu schätzen, habe aber auch mit manchen Nachteilen immer noch zu kämpfen. So empfinde ich beispielsweise den beruflichen Alltag, ohne direkten Kontakt mit Kollegen, immer noch als recht einsam. Mir fehlen anregende Gespräche, die gemeinsamen Aktivitäten nach Feierabend etc.. Meine Frau will sogar einen zunehmenden “Starrsinn” bemerken, den sie auf meine berufliche “Einsiedelei” zurückführt. :-) Kann schon sein dass man so zum Eigenbrötler wird…

Ich habe Möglichkeiten um meine Büroräume zu erweitern und denke ernsthaft darüber nach, Teile davon an Gleichgesinnte zu vermieten. So hätte man wenigstens die Möglichkeit der Kommunikation und auch einige andere oben geschilderte Punkte, wie Ordnung etc., fallen sozusagen schon aus Eitelkeit mit ab. :-D Beispiele für solche Projekte gibt es schon.

Herzliche Grüße, M. Lempe

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