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2011
17
Okt

Die Diplom-Psychologin und Prozess- und Software-Expertin Helga Trölenberg-Buchholz arbeitet seit 1992 in Vertrieb und Marketing von Versandhandels- und E-Commerce-Unternehmen. 2011 gründete sie die Branchen-Projektbörse Vimen für Experten und Unternehmen im E-Commerce- und Versandhandel.

Das Interview ist der Startschuss für eine Artikelreihe, in der Helga Trölenberg-Buchholz ihr Fachwissen rund um die Themen E-Commerce und Versandhandel teilt.

Welches war das interessanteste Projekt, das Sie umgesetzt haben?

Da kann ich mich nicht entscheiden, weil ich gerade zwei Projekte habe, die beide sehr gute Chancen auf den Titel „Mein interessantestes Projekt“ haben.

Das ist zum einen eine Produktentwicklungsstrategie für ein Softwarehaus, die die Entwicklung des E-Commerce als Geschäftsmodell in den nächsten 10 Jahren berücksichtigt. Ich stoße da ständig auf neue Ideen und meine ganze Kreativität ist dabei gefordert.

Das zweite Projekt ist der Aufbau der Projektplattform Vimen, die wie projektwerk arbeitet und wo projektwerk mein Partner ist. Vimen ist spezialisiert auf Versandhandel und E-Commerce. Darin finden sich für alle Themengebiete der Branche Fachexperten und Berater.

Welches war bisher die größte Herausforderung, mit der Sie konfrontiert wurden?

Die größte Herausforderung bisher gab es im privaten Bereich. Das ist und war die Vereinbarung von Beruf und Familie. Ich habe zwei Kinder, die jetzt 9 und 13 Jahre sind. Ich habe nach den Geburten immer gleich wieder angefangen, Vollzeit zu arbeiten. In meiner Branche verliert man sonst schnell den Anschluss. Glücklicherweise hat mein Mann das immer unterstützt. Da wir in Ostdeutschland leben, profitieren wir von den flexiblen und vollständigen Angeboten für Kinderbetreuung in allen Altersklassen. Zusätzlich gibt es bei uns noch eine angestellte Kinderfrau und Haushaltshilfe. All das bedeutet bei meinen zahlreichen Geschäftsreisen einen großen Aufwand an Organisation, Abstimmung, Disziplin und auch finanziellen Aufwand.

Welche Eigenschaften zeichnen Ihr Traumteam aus?

Mein ideales Team besteht aus Männer und Frauen ganz unterschiedlicher Disziplinen. Ich kann mir gut vorstellen, dass kleine Einzelhändler mehr über Kundenservice wissen als Call-Center-Leiter großer E-Commerce-Unternehmen, bei denen ich lange suchen muss, um überhaupt eine Telefonnummer zu finden, wo mich dann ein Sprachcomputer empfängt. Außerdem glaube ich, dass Landwirte oder Gärtner Wissen und Fähigkeiten haben, die man in IT-Projekten gut brauchen kann, z.B. wie man mit Hilfe von wenigen Informationen Entscheidungen fällt und diese zügig umsetzt.

Was war Ihre beste Leistung zum Nulltarif?

Das war die Entwicklung eines Businessplans für eine Venture-Capital-Firma, die in kleinbäuerliche Manufakturen in Äthiopien investieren soll. Das Projekt führe ich zusammen mit einer Freundin, die gebürtige Äthiopierin ist. Sie hat dort ein Unternehmen, das mit armen Kleinbauern Manufakturen für die Herstellung von Marmeladen, Sauerkonserven, Sirupe, Kosmetik etc. gründet und mit Know-How ausstattet. Sie nimmt wiederum die Waren in die Vermarktung. Dieses Projekt soll stark ausgeweitet werden, daher die Venture-Capital-Firma. Dafür war ich auch bereits zweimal vor Ort in Äthiopien, eine sehr beeindruckende Erfahrung.

Wie lange sind Sie im Business?

Ich arbeite seit 23 Jahren, davon jetzt ungefähr 17 Jahre im der Branche Versandhandel/E-Commerce.

Wie oft haben Sie das Fachgebiet gewechselt?

Ich habe nach dem Abitur erst einmal ländliche Hauswirtschaft gelernt, ganz bodenständig. Dann habe ich Psychologie studiert. Nach dem Studium bin ich über die Marktforschung und die Beratung im Direktmarketing zum Versandhandel und später zum E-Commerce gekommen. Es gab allerdings immer einen roten Faden, und der heißt Statistik, empirische Sozialforschung und Business Intelligence. Diese Themen begleiten mich seit dem Studium.

Können Sie sich vorstellen, einen anderen Beruf zu ergreifen?

Ja klar! Ich glaube sowieso, dass man sich mehrmals im Leben neu erfinden muss. So kann ich mir bis heute nicht erklären, warum ich nicht Architektur, Betriebswirtschaft oder Logistik studiert habe.

Aber ich bin sehr zufrieden in der Branche E-Commerce und Versandhandel, weil es eine lebendige, sich stets wandelnde, mittelständische und persönliche Branche ist, in der ich mich sehr wohl fühle.

In meinem nächsten Leben mache ich allerdings mit meinen Kindern ein Gourmet-Restaurant auf, in dem Kinder auch Gourmet-Essen bekommen. Das Restaurant hat aber auch einen Imbiss für Pommes Frites aus farbigen Kartoffeln.

Was machen Sie in 10 Jahren?

In 10 Jahren gründe ich noch einmal ein Unternehmen mit einigen Kollegen, die dann ebenfalls so um die 55 bis 70 Jahre sind. Dann zeigen wir den jungen Kollegen, wie ein E-Commerce-Geschäftsmodell für die Altersgruppe entwickelt wird, die heute als Senioren bezeichnet wird.

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