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2011
08
Jun

Das Seminar „Erfolgreich als IT-Gründer“ des BVSI - Berufsverband Selbständige in der Informatik e. V. traf in München auf großes Interesse bei jungen Gründern und angehenden Selbständigen aus der Informatik.

Einen Einblick in die praktische Freiberuflichkeit eines „Einzelkämpfers“ gab Xenofon Grigoriadis. Der seit 2005 selbständige Oracle-Experte firmiert unter „TreeLogics Consulting“ in Bonn. Projekte führte er u. a. bei T-Mobile, ThyssenKrupp Eisenbahnen-und-Hafenlogistik GmbH oder auch der Daimler AG durch.

„Selbständig als Softwareentwickler“ heißt nicht allein Technik-Know-how zu besitzen. Vielmehr gehören Marktkenntnis, Marketing, Strategie und Networking ebenso dazu. Xenofon Grigoriadis meinte, derzeit bestünde eine sehr gute Marktlage mit vielen Projekten und einer hohen Expertennachfrage. Allerdings sei ohne Berufserfahrung der Start manchmal schwierig, Projekt-/Joberfahrung während des Studiums seien für den Eintritt in den Markt hilfreich. Angehende Freiberufler sollten ebenfalls bedenken, dass gerade am Anfang der Selbständigkeit die Anforderungen an Zeit und Mobilität sehr hoch seien.

Menschenkenntnis und Machtkonstellationen

„Beschreibe Dein Angebot im Markt mit wenigen Worten“, postulierte Xenofon Grigoriadis zur Freelancer-Strategie. Sich thematisch nicht zu verzetteln, sei besonders wichtig. „Der Kunde ist interessiert an Ihrer Top 1- und 2 -Kompetenz“, betonte Xenofon Grigoriadis gegenüber den hochinteressierten Seminarteilnehmern. Hier ist am Ball zu bleiben, empfahl der Freiberufler: „Antizyklisch in Weiterbildung investieren und durch kontinuierliche Weiterbildung verwandte Bereiche erschließen.“ Sein Tipp: „Kenntnisse und Zertifizierungen im Projektmanagement kommen immer gut an“. Oft seien kundeninterne Projektmanager nämlich recht unerfahren, umso wichtiger sei es, ihn als Teammitglied zu unterstützen.
Soft Skills bestimmen das gesamte Projektleben. Aus Erfahrung weiß Xenofon Grigoriadis zu berichten: „Oft beherrschen Vorurteile und Missgunst der internen gegen externe IT-Experten das Projektverhältnis“. Also sei es wichtig, Menschenkenntnis zu entwickeln sowie Machtkonstellationen zu erfassen.

Zu einem angemessenen Honorar zu kommen, sei nicht immer einfach. „Der Markt bietet leider nicht die Freiheit, die man sich wünschen würde“, meinte Xenofon Grigoriadis. Die  Einkaufs-Abteilungen in Unternehmen setzten sich gegenüber den IT-Abteilungen beim „Staffing“ durch. Auswahl-Kriterium seien „Kosten“ bei eindimensionalen Profilen wie „Junior, Senior, Projektmanager“. Zudem beherrschen wenige „preferred supplier“ das komplette Contracting vor allem von Großunternehmen. Vorsicht sei bei Honorarstatistiken der zahlreichen Freiberufler-Projektportale geboten. Leicht könnte die „Honorarhöhe“ vom Anbieter-Interessenskonflikt beeinflusst sein.

Netzwerken: immer auch etwas für sich selbst

Networking zahlt sich mehrfach aus. „Die Mischung macht’s“, meinte Xenofon Grigoriadis.  Daher sollte der Freiberufler Kontakt zu mehreren Netzwerken halten, bei einigen jedoch ganz vorn mitarbeiten. „Etwas fürs Netzwerk zu tun ist im Prinzip immer auch etwas für sich selbst zu tun.“

Grundlegende Kenntnisse bei Recht, Steuer und Verträgen

Selbständigkeit flankieren nicht nur Aufträge, sondern auch Recht, Steuer und Verträge. Worauf Informatiker achten sollten, erläuterte Dr. Benno Grunewald. „Sich selbständig zu machen heißt auch, sich mit den rechtlichen und steuerlichen Bedingungen zu befassen. Und dies am besten vor Beginn der Tätigkeit, da spätere Korrekturen oft nur schwer möglich sind“, empfahl dringend der Rechtsanwalt aus Bremen. Hierbei spielen Verträge eine zentrale Rolle, da diese in alle Rechtsbereiche hineinwirken. Sowohl die Frage der Scheinselbständigkeit und Rentenversicherungspflicht als auch die der Freiberuflichkeit bzw. Gewerbesteuerpflicht werden von den Vertragsinhalten entscheidend mitbestimmt.
Selbstverständlich haben Verträge auch große Bedeutung im Falle von Meinungsverschiedenheiten mit dem Auftraggeber bzw. dem Kunden.
Auch über vertragliche Organisationsformen wie die „IT-GbR“ sollten Freiberufler Bescheid wissen. Benno Grunewald legte dar, dass Selbständige, die in einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) zusammen mit anderen Selbständigen tätig sind, unter dem erhöhten Risiko stehen, gewerbesteuerpflichtig zu werden. Dazu reiche es aus, dass ein Gesellschafter vom Finanzamt nicht als freiberuflich eingestuft wird. In diesem Fall werden die gesamten Einkünfte aller Gesellschafter als gewerblich qualifiziert. Diese Risiken können jedoch durch rechtzeitige Maßnahmen verhindert bzw. minimiert werden. „Aus diesem Grund sollte jeder Existenzgründer zumindest grundlegende Kenntnisse diesem Bereich haben.“

Großes Interesse bei jungen Gründern und Selbständigen

Der Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität war nahezu ausgebucht, die Resonanz in der Frage-Antwortrunde des BVSI-Seminars „Erfolgreich als IT-Gründer“ äußerst lebhaft. Dies zeigte, wie groß das Interesse an Themen für den Weg in die Selbständigkeit bei jungen Gründern und Selbständigen in spe vor allem aus der Universitäts-Szene ist. Für jeden vierten Deutschen ist Selbständigkeit eine berufliche Alternative.

Ein Viertel der nichtselbständigen Deutschen können sich den Schritt in eine Selbständigkeit vorstellen, wie das  Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München jüngst herausfand. Einfache Formen der Selbständigkeit wie die „Solo-Selbständigkeit“ sind dabei besonders gefragt.

Mit viel Sachkenntnis und Professionalität hat Wolfdietrich Lorenz, leitender Redakteur des IT-Freelancer und des IT-Szene München Magazins die Veranstaltung moderiert – und auch diesen Bericht geschrieben. Die gelungene Veranstaltung wird demnächst in anderen Städten wiederholt.

Links
www.treelogics.de
www.dr-grunewald.de
www.it-free.de
www.bvsi.de

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