Diese These des amerikanischen Journalisten Nicholas Carr, im The Atlantic veröffentlicht, heizte eine Debatte unter Bloggern an.
Carr behauptet, dass die Art zu lesen und Informationen zu verarbeiten – und somit auch die Art zu Denken – sich durch das Internet verändern. Er bedient sich der schönen Metapher des Tauchers im Meer der Worte, der sich nunmehr damit begnügt, als Wasserskifahrer die Oberfläche anzukratzen.
Die Art, sich im Internet mit Informationen zu versorgen, sei in erster Linie geprägt von „efficiency“ und „immediacy“. Die an sich positiv besetzten Wörter sind hier jedoch durchaus als negativ zu begreifen – laut Carr verhindert die neue Denke gut durchdachten Fortschritt der Menschheit: „The linearity of reason is blurring into the nonlinearity of impression; after five centuries of wakefulness, we´re lapsing into a dream state.“
Betrachtet man das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten von dieser Warte aus, mag etwas Wahres dran sein. Wer kann schon von sich behaupten, gewünschte oder benötigte Informationen nicht einfach aus dem Internet rauszusuchen ohne daraufhin tiefer in die Thematik einzusteigen? Ein paar oberflächliche Informationen, gespickt mit den richtigen Fachbegriffen und Anglizismen reichen uns inzwischen oft aus.
Die Tatsache, dass an deutschen Universitäten Wikipedia als Quellenangabe nicht mehr verpönt ist wie noch vor 1-2 Jahren, unterstreicht diese Tendenz.
Was Carr jedoch nicht aufgreift ist der große Vorteil des web2.0. Vielleicht sind es Informationsschnipsel, die uns als Hintergrundwissen genügen. Aber in Zeiten, in denen Begriffe wie `kollektive Intelligenz´ oder `Youcracy´ groß geschrieben werden, fügen sich all diese Schnipsel zu einem großen Ganzen zusammen. Im Idealfall, natürlich.
Auch wenn mir die von Carr formulierten Gedanken selbst bekannt sind - als Literaturwissenschaftlerin nicht ganz unvoreingenommen – konnte ich die beiden Bereiche bisher gut voneinander getrennt halten. Erste oder schnelle Informationen hole ich mir im Netz. Keine Hausarbeit, die nicht mit einem kurzen Ausflug in das Web begonnen wird. Oft aber auch nur, um passende – und gedruckte – Literatur zu finden.
Privat bin ich nach wie vor ein begeisterter Leser von Büchern - ohne bemerkenswerte Konzentrationsstörungen, wie sie von Carr beschrieben werden.
Der neue Focus Media Guide belegt außerdem Beruhigendes für alle Liebhaber des gedruckten Wortes: Die Top Ten der online gekauften Produkte wird mit stolzen 28% angeführt von den Büchern.
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1 Antwort zu "Macht Google uns dumm?"
Inhelder
14. August 2008 - 12:27
Das eine tun und das andere nicht lassen – jede Art der Informationsbeschaffung und Informationsbereitstellung hat seine Vor- und Nachteile. Die Kunst besteht darin, jeweils zu entscheiden, ob das Thema in der Breite oder in der Tiefe betrachtet werden soll.