In Deutschland fehlt es nicht an Qualität, sondern an Quantität. Im Vergleich zum Jahr 2008 wird es 2030 nicht nur 5 Millionen weniger Einwohner in Deutschland geben, der demografische Wandel wird auch große Auswirkungen auf den erwerbstätigen Bevölkerungsanteil haben. Bis 2030 wird es an rund 7,5 Millionen Erwerbstätige in der Bundesrepublik fehlen. Der aufkommende Fachkräftemangel geht voraussichtlich mit Milliarden Verlusten der deutschen Volkswirtschaft einher.
Was bereits heute darauf folgt, ist ein wahrer Run auf die „klugen Köpfe Deutschlands“. Obwohl die weltweite Ingenieursquote steigt, sieht es hier zu Lande ganz anders aus. Im Januar 2012 waren rund 80.000 Stellen in Ingenieurberufen unbesetzt! Ein Beispiel, wie man dem drohenden Mangel an Talenten entgegen kann, ist Continental, einer der größten Automobilzulieferer weltweit. Ihr Leitspruch: Kämpfen bis zum Schluss – und dies von Anfang an!
Das Traditionsunternehmen geht in die Offensive und wartet nicht bis die klugen Köpfe ihren Weg in die hannoveranischen Werke finden. Continental geht an die Stätten der Arbeitskräfte von morgen - an die Schulen und Universitäten. Sie versuchen den Schülern und Studenten die MINT-Fächer attraktiver und „schmackhafter“ zu machen. Zwar erzielt Deutschland in den MINT-Fächern stets gute Ergebnisse, doch viele finden den Weg bis zu Ausbildung nicht und biegen vorher wo anders ab. Continental will diese Abbieger abholen. Jugendliche werden eingeladen in die Werke, zu Schnuppertagen. Sie sollen das Berufsleben und den Ingenieuralltag live miterleben, um im besten Falle Gefallen dran zu bekommen. An den Universitäten geht es dann weiter: Praktika, Abschlussarbeiten und Doktorandenstellen werden gerne und häufig an interessierte Studenten vergeben. Auch Gastvorlesungen oder Forschungsprojekte stehen bei vielen Unternehmen auf dem Plan, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu zeigen, denn Ingenieure können sich mittlerweile ihre Stellen und Arbeitgeber frei wählen und kommen meist nicht von allein.
Andere Lösungen für den Fachkräftemangel in den Ingenieurwissenschaften sind z.B. Konzepte wie PINA, eine Kooperation zwischen Herstellern und Zulieferern. Bis 2014 soll das Gesamtmodell stehen, welches die alternde Belegschaft im Fokus hat. Der Leitsatz des in 2011 gestarteten Projektes lautet: „Gesund und qualifiziert älter werden in der Automobilindustrie.“
Konzepte wie PINA greifen zwar nicht an der Wurzel, versuchen aber die Gesamtsituation so gut wie möglich zu meistern. Unternehmen versuchen hierdurch das Personal immer wieder regelmäßig zu schulen, um nicht zu sehr unter dem ausbleibenden Nachwuchs und deren Know-how zu leiden.
Was denken Sie zum Fachkräftemangel? Sehen Sie es wie DIW-Ökonom Karl Brenke, der ihn so schön als eine Fata Morgana beschrieb, oder ist es doch ein weitaus größeres Problem?

