Gestern gab es ein interessantes Interview auf Zeit online zum Thema Selbstständigkeit mit dem Soziologen Ulrich Bröckling.
Für ihn ist der „Kreative“ ein neuer Sozialtypus, der „[…] morgens im Café (bedient), mittags im Uni-Seminar (sitzt) und abends in einem Club Platten (auflegt). […]“.
Sicherlich gibt es den einen oder anderen Kreativen, der sich in dieser Beschreibung wieder findet. Wäre dem aber grundsätzlich so, hätte das nicht mehr allzu viel mit dem Freiberufler der Kreativwirtschaft und seinem Alltag zu tun. Denn hier gibt es sehr wohl viele, die erfolgreich und glücklich mit dem „eigenen Chef sein“ sind. Zu ihnen gehören beispielsweise die selbstständigen Designer, Texter, Marketing-Spezialisten, Architekten, Kommunikations-Experten, Journalisten und PRler.
Auf unserem Blog haben wir einige kreative Freiberufler interviewt und für die meisten ist es keine Option ihre Freiberuflichkeit gegen eine Festanstellung einzutauschen.
Die Äußerung von Herrn Bröckling, „ […] die Arbeitsbedingungen in der Kreativwirtschaft sind jedenfalls nichts für Leute, die kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen müssen. […]“ ist so sicherlich auch nicht allgemeingültig.
Ilona Kuboth, Freiberufler für Design & Illustration mit einem einjährigen Sohn, hat eher das Gefühl, „dass meine Arbeitsbedingungen nicht durch die Kreativwirtschaft betroffen sind, sondern durch die wenigen Kitaplätze, zu wenige Erzieher und dadurch gestresste Erzieher.“
Und auch wenn sie bei manchen Kunden das Gefühl hat, diese denken, man sei als Mutter nicht mehr so flexibel, lief ihre Freiberuflichkeit in den letzten fünf Jahr sehr gut und Ilona ist optimistisch, dass es, „[…] sobald der Kleine untergebracht ist weiterhin läuft.“.
Es ist also (mal wieder) schwierig zu pauschalieren und alle Kreativen als Künstler oder „neue Selbstständige“, die eher nach Selbstdisziplinierung als –verwirklichung streben (müssen), zu bezeichnen. Oder?


