Glückwunsch! Sie beherrschen mehrere Sprachen und verfügen über eine Übersetzerqualifikation, eine Akkreditierung und einige Kontakte in der Branche. Wie lässt sich aber Ihre Begabung in ein Einkommen umwandeln? Vollzeitanstellungen sind immer schwieriger zu finden. Sie haben jedoch glücklicherweise eine Branche gewählt, in der es sich lohnt, freiberuflich zu arbeiten. Sein eigener Herr zu sein, bringt jedoch viel Arbeit mit sich. Wägen Sie also die folgenden Vor- und Nachteile des freiberuflichen Übersetzens sorgfältig ab.
The Good
Es gibt zahlreiche Vorteile des freiberuflichen Arbeitens: Sie selbst entscheiden, wann und wie viele Stunden Sie arbeiten; Sie können sich Ihre Aufträge selbst aussuchen und so dafür sorgen, dass Ihre Arbeit abwechslungsreich und interessant bleibt; nachdem Sie sich erst etabliert haben, können Sie möglicherweise als Freiberufler mehr verdienen als ein Festangestellter, ganz besonders dann, wenn Sie dafür qualifiziert sind, sich auf bestimmte Gebiete, wie beispielsweise Business oder IT, zu spezialisieren; es steht Ihnen frei, sich entweder einer Übersetzungsagentur anzuschließen, die Sie mit Aufträgen versorgt, dafür aber eine Vermittlungsgebühr oder einen prozentualen Anteil des Preises für die Übersetzung einbehält, oder Sie können sich selbst um Aufträge bemühen und den Lohn für Ihre harte Arbeit selbst einstreichen und dabei wichtige Kontakte knüpfen; außerdem haben Sie die Freiheit, nach Belieben umzuziehen oder zu reisen - solange Sie einen Computer und eine Internetverbindung haben, sind Sie im Geschäft. Es ist keine leichte Aufgabe, sich erfolgreich zu etablieren, aber Online-Übersetzercommunities, wie zum Beispiel Proz.com, können außerordentlich wertvoll sein, wenn es um Ratschläge oder Kontakte geht, und wenn Sie erst einen seriösen Kundenstamm aufgebaut haben, wollen Sie gar nicht mehr zurück.
The Bad
Der größte Nachteil beim freiberuflichen Übersetzen ist die Aufrechterhaltung regelmäßig hereinkommender Aufträge. Sie mögen in einer Woche mit Arbeit geradezu überschwemmt werden, aber in der nächsten mehr Zeit mit der Zubereitung von Kaffee oder Tee als mit dem Übersetzen verbringen. Solche Auszeiten füllen Sie am sinnvollsten mit der Pflege von Kontakten zu potenziellen Kunden. Das ist der sicherste Weg, langfristig mit genug Arbeit eingedeckt zu sein. Wenn Sie einen regelmäßigen Kommunikationsstrom mit bestehenden und potenziellen Kunden aufrecht erhalten, zahlen sich auf lange Sicht die zusätzlichen Stunden aus, die für Telefonate und das Schreiben von E-Mails benötigt werden. Selbständig zu sein bedeutet auch, die eigenen Konten, Abrechnungen und Steuerbelege im Griff zu haben. Der einzige Weg, um nicht am Ende des Steuerjahres von einer Papierlawine erschlagen zu werden, liegt darin, wöchentlich eine festgesetzte Zeit solchen Verwaltungsaufgaben zu widmen. Freiberufliches Arbeiten heißt natürlich auch, dass man keinerlei Ansprüche auf allgemeine Unternehmensleistungen, wie etwa Altersversorgung, Urlaubsgeld, Krankengeld oder Krankenversicherung, hat. Sie können zwar jederzeit Urlaub machen, wenn Ihnen danach zumute ist, müssen aber über ausreichende Rücklagen verfügen, um auch noch im nächsten Monat die Miete zahlen zu können!
The Ugly
Auch wenn dies nicht angenehm ist: Als Freiberufler müssen Sie allein dafür sorgen, dass Sie für Ihre Arbeit bezahlt werden. Um zu verhindern, dass Ihre harte Arbeit in einem administrativen schwarzen Loch verschwindet, müssen Sie den Überblick über Ihre Rechnungen behalten: Verschicken Sie Rechnungen fehlerfrei und zügig, behalten Sie anschließend genau im Auge, welche bezahlt wurden, und mahnen Sie unverzüglich, aber freundlich, wenn keine Zahlung erfolgt. Falls Sie kein technisches Support-Team für Ihr Heimbüro haben, liegt es darüber hinaus allein an Ihnen, dafür zu sorgen, dass Sie jederzeit digital verbunden sind – ohne Telefon und Internet gibt es kein Geschäft. Also, packen Sie es an!
Über den Autor
Christian Arno ist der Geschäftsführer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen im Vereinigten Königreich mit einem Netzwerk von mehr als 4.000 freiberuflichen Übersetzern und 120 Vollzeitmitarbeitern auf vier Kontinenten.












