Nächtliches Hin- und Herwälzen im Bett, zittrige Hände, Übelkeit oder ein nervöser Magen – jeder reagiert ganz anders auf unsichere Situationen. Freiberufler kommen hin und wieder in Situationen, die beunruhigen. Aber wie lässt es sich mit dem unsteten Seegang der Selbstständigkeit zurechtkommen?
Am Anfang der Freiberuflichkeit reizt oft die Idee, sein eigener Chef zu sein, sich die Zeit selbst einzuteilen oder ein besonderes Projekt zu verwirklichen. An auftragsarme Zeiten verschwenden Gründer zunächst wenig Gedanken, schließlich gibt es anfangs genug Dinge zu tun. Wenn dann aber die ersten Aufträge abgearbeitet sind, folgt meist ein Loch, in dem nichts passiert. Am besten, man gewöhnt sich gleich daran. Denn auftragsarme Zeiten gibt es immer wieder. Es gilt aber, das Schiff auf Kurs zu halten.
Wie das?
Wer plötzlich ohne Arbeit an seinem Schreibtisch sitzt, hat nun zum Beispiel Zeit, um aufgeschobene Aufgaben zu erledigen. Bei mir sind das zum Beispiel Tankquittungen, die noch ihren Weg in die Buchhaltung finden müssen, oder – je nach Jahreszeit – die Vorbereitung von Weihnachts-, Oster- oder Geburtstagskarten für ehemalige Kunden und nette Kontakte. Es ist doch schon etwas Besonderes, wenn man ein paar handgeschriebene Zeilen zu lesen bekommt, oder? Alternativ kann man auch mal wieder ein Fachbuch lesen. Natürlich darf in den ruhigen Phasen nicht die Akquise vergessen werden. Netzwerktreffen, Vorträge, Anrufe und Briefeschreiben beschäftigt ungemein; es schenkt das Gefühl, nicht untätig seine Zeit zu vergeuden. Letztendlich ist eine ruhige Phase aber auch ein Geschenk zur Regeneration.
Für viele gehört das Warten zu den unangenehmsten Faktoren. Bevor es in Angst umschlägt, hilft ein Perspektivwechsel: Was macht der potenzielle Kunde nach unserem Gespräch? Er lässt sich das Besprochene durch den Kopf gehen. Er tauscht sich vielleicht mit Kollegen oder Mitarbeitern aus, holt Feedback zu den Arbeitsproben ein und benötigt Zeit, um die konkreten Schritte des Projektes zu planen. Mit diesem Wissen fällt es etwas leichter, ein paar Tage ins Land ziehen zu lassen, bevor man noch einmal anruft.
Andere reagieren auf die Planungsunsicherheit mit physischen Zipperlein. Sicher, zuviel Kaffee und zu wenig Schlaf war noch nie gut, lässt sich aber manchmal nicht vermeiden. Arg wird‘s, wenn Nächte dauerhaft durchgegrübelt werden, man sich unwohl fühlt oder gar ernsthafte Leiden verspürt. Dann sollte man überlegen, wann man sich zuletzt Urlaub gegönnt hat und sich zwei Fragen ehrlich beantworten: Ist das nur eine Phase? Oder bin ich mit der Selbstständigkeit vielleicht nur bedingt glücklich?
Ein weiterer wichtiger Aspekt: das finanzielle Polster. Natürlich, Rechnungen wollen bezahlt werden. Nichtsdestotrotz braucht es eine Rücklage als kleines Ruhekissen. Am Ende gilt es, seine Ziele fest im Auge zu behalten und sich bewusst zu machen, dass das Auf und Ab ein Bestandteil der Freiberuflichkeit ist. Wer das akzeptieren kann, schaut entspannter auf die „verkehrsberuhigte Zone“.
Unsere Gastautorin Silke Dürrhauer arbeitet unter [sens]kontext als freiberufliche Texterin für Kunden aus sensiblen Bereichen. Bei projektwerk creative schreibt sie nicht nur über den Freelancer-Alltag, sondern hat auch den einen oder anderen Tipp auf Lager. www.sens.duerrhauer.de












