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2011
05
Nov

Der Webdesigner Benjamin Rabe über interessante Projekte und Herausforderungen als Freiberufler. Außerdem berichtet er darüber, wie er die Fingerpainting-Kunst für sich entdeckt hat - die Ausstellung "Stylectrical. Von Elektrodesign, das Geschichte schreibt" können Sie noch bis zum 15. Januar 2012 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sehen.

Welches war das interessanteste Projekt, das Du umgesetzt hast?

Mein wichtigstes Projekt war wohl mein allererstes Software-Projekt, Ende der 90er. Ich war gerade frisch aus dem Studium raus und mitten in der ersten Blase in einer sich wild expandierenden jungen Software-Bude gelandet. Das Projekt war schon quasi an die Wand gefahren, als Frank Westphal dazu kam und das gesamte Team nach Xp-Prinzipien und mithilfe dessen Methoden umkrempelte. Damals habe ich gelernt, wie und mit welchen Leuten (aka mindsets) ich gerne und gut zusammen arbeite.

Welches war bisher die größte Herausforderung, mit der Du konfrontiert wurdest?

Das war wohl, nachdem dieses Projekt trotzdem den Bach runterging (durch absurde Überfinanzierung), mit ihm die Firma, und ich bei Iconmedialab landete, wo keinerlei Agilität gewollt war, stattdessen nur agentur-typische Wasserfall-Projekte. Ich dachte, ich mache alles falsch und kann nix; es dauerte 12 Monate bis ich merkte, dass es andersrum war :)

Wie oft hast Du das Fachgebiet gewechselt?

Hm, ich weiss gar nicht, was mein genaues Fachgebiet ist. Vielleicht ändere ich es andauernd über den Kurs eines Projektes: In der Regel beginnt es mit Konzeption, schnell gehe ich dann oft ins Frontend und code. Getting-Real bleibt hier das wichtigste Prinzip. Wenn die Interaktions-Story dann gut erzählt ist, tausche ich manchmal den Grafik-Design-Hut und poliere die Kommunikation-Seite, wenn nötig. Aber eigentlich sind das alles für mich zusammenhängende Teile eines Ganzen.

Kannst Du Dir vorstellen, einen anderen Beruf zu ergreifen?

Bin gerade dabei :)

Was machst Du in 10 Jahren?

Zurückblickend hätte ich in keinem Jahr prophezeien können, was ich allein zwei Jahre später mache. Leute, die wissen, was sie in 10 Jahren machen, leben ein Kamikaze-Leben.

Was ist Fingerpainting?

In den letzten 3 Jahren haben Künstler in der ganzen Welt iPhone und iPad als mobiles Malstudio entdeckt, das es gerade im urbanen Leben erlaubt, jederzeit und zwischendurch zu Malen und zu Zeichnen. Viele haben so eine verschüttete Passion wieder entdeckt.

Wie hast Du Fingerpainting / iPad-Kunst entdeckt?

Wie viele zu Beginn bin ich über Stef Kardos Blog und seine Californian Sketches darauf gestoßen.

Bleiben Deine Werke auf dem iPad, oder druckst Du sie auch aus?

Ich schwanke hin und her :) Gerade denke ich, die Sachen sollten den digitalen Raum, oder besser: den Datenraum nie verlassen und immer nur so gezeigt werden, dass eine Interaktion mit und durch den Betrachter möglich ist. Allerdings sehen Fingerpaintings auch gedruckt cool aus, und bei mir im Studio hängen auch einige an der Wand.

Erzähl uns von der Ausstellung Stylectrical im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg:

Was ist das Thema der Ausstellung?

Das MK&G sagt: "Die Ausstellung wirft einen Blick auf die komplexen Entwicklungsprozesse des industriellen Elektrodesigns in einem kulturwissenschaftlichen Kontext. (…) Im Fokus steht das Design von Jonathan Ive " – Ina Grätz und ihr Team haben wirklich durch großen Einsatz eine klasse Werkschau dieses großen Designers zusammengetragen.

Du hast als Mitglied der International Association of Mobile Digital Artists die Ausstellung mitorganisiert – wie kam es zu Deinem Engagement?

Unsere iAMDA hat tatsächlich mit der Ausstellung nichts zu tun: da sind wir stärker auf dem amerikanischen Kontinent unterwegs, u.a. mit der gerade stattgefundenen 2. MobileArtCon in New York.
Die Sache mit dem MK&G ist ein weiteres Beispiel für den glücklichen Zufall. Ich kam Ende letzten Jahres gerade von einem Fingerpainting-Gig in Las Vegas zurück, als ich schon am Flughafen davon hörte, dass es in Hamburg "irgendwie eine Apple-Ausstellung" geben wird und ob ich mich da nicht melden wolle – ich tat das ab, weil die Idee, ein Museum könnte sich für uns interessieren, mir absurd vorkam. Tags darauf bekomme ich einen Anruf von einer alten Freundin (wir arbeiteten schon in besagtem ersten Software-Projekt zusammen, 1999). Sie hätte gerade mit einer Bekannten gesprochen, die Kuratorin sei und ebendiese Ausstellung kuratiere. Eine Woche später saß ich bei Ina, und damit ging alles los.

Deine Einschätzung: Wie wird sich das Fingerpainting entwickeln?

Ich denke, es gibt zwei spannende Richtungen: Zum einen zunehmendes Kreieren im öffentlichen Raum, im Bus, im Wartezimmer, wo immer. Das Nutzen der Zeit, in der wir unterwegs sind von A nach B. Zum anderen die stilistische Entwicklung: Ich vergleiche das immer gerne mit der Entwicklung von elektronischer Musik zur synthetischen Musik. Es hat ca. 10 Jahre gebraucht, bis wir synthetische Klänge wert zu schätzen gelernt haben und die Klänge sich von der Imitation klassischer Intrumente gelöst haben. Auch Fingerpainting imitiert bislang bekannte Ästhetiken. Aber wir malen mit Daten, und Daten lassen sich verändern, tunen, überlagern. Ich hoffe, dass wir da einen ähnlichen Weg entdecken können, synthetisierte Fingerfarben sozusagen :)

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1 Antwort zu "Experten stellen sich vor: Benjamin Rabe"

Das angesprochene XP-Projekt hat seinen (technischen) Erfolg nicht einer
Person zu verdanken, solche Thesen sind mehr als gewagt und werden der
Komplexität von Softwareprojekten kaum gerecht sondern beleuchten sie aus einer eher laienhaften Sicht.
Ein Team ist mehr als die Summe seiner Teile und die Herangehensweise ist
gegenüber dem “team spirit” und denjenigen, die diesen ermöglicht haben
sekundär. XP war damals ein vorübergehender Hype und ich wage einmal die
Behauptung dass auch ein Wasserfallmodell zum Erfolg geführt hätte.

Ich verstehe ja dass ihr euch gegenseitig Aufträge verschaffen wollt
aber bitte – sachlich bleiben.

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