Einer Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge sind bei deutschen Unternehmen enorme Einsparungen möglich, wenn diese bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter weniger von Vorurteilen beeinflusst wären und stattdessen auf gemischte Teams setzen würden. Das Einsparpotential liegt Schätzungen zufolge bei 21 Milliarden Euro pro Jahr.
Personalchefs sind nicht frei von Vorurteilen
Viele Studien belegen, dass Vorurteile gerade bei der Bewerbung ein ernstzunehmender Faktor sind. Ausgewählt wird nach Vornamen, Aussehen und Kleidung. Ein Bewerber mit einem türkischen Namen hat in Deutschland  bei ansonsten gleichen Voraussetzungen eine bis zu 24 Prozent geringere Chance eingeladen zu werden. Auch das Äußere entscheidet: Schlanke Bewerber werden gegenüber Dickeren oft bevorzugt behandelt.
Vorurteile beeinflussen die Wahrnehmung
Die Wahrnehmung der Realität ist ganz entscheidend von unseren Vorurteilen geprägt. Das konnte zum Beispiel ein Experiment mit Schülern in den USA nachweisen: Schüler wurde willkürlich ausgewählt, ihren Lehrern wurde allerdings berichtet, dass diese Schüler ein besonderes intellektuelles Potential hätten. Acht Monate später schnitten diese Schüler in IQ-Tests tatsächlich besser ab als zu Beginn der Studie. Die Erwartungen der Lehrer hatten sich offensichtlich auf die Leistungen der Schüler übertragen und diese zeigten daraufhin bessere Leistungen.
Vorurteile können sich aber auch negativ auswirken. Wenn Bewerber aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts abgelehnt werden, kann das Nachteile für das Unternehmen mit sich bringen. Gemischte Teams wirken sich in der Regel positiv für den Erfolg aus. Vorurteile schaden damit dem einzelnen Unternehmen, aber auch der gesamten Volkswirtschaft, so das Ergebnis der Unternehmensberatung Roland Berger.
Anonymisierte Bewerbungen
Mit einem Pilotprojekt versucht die Antidiskriminierungsstelle des Bundes diesem Problem entgegen zu wirken. Acht Betriebe und Behörden beteiligten sich und nahmen Bewerbungen ohne Foto und ohne die Angabe von Alter, Geschlecht, Familienstand entgegen, wie das in angelsächsischen Ländern längst üblich ist. Diese Chance nutzte ein Bewerber, der aufgrund seines Alters monatelang keinen Erfolg bei Bewerbungen hatte. Bei der Stadt Celle, die am Pilotprojet teilnimmt, konnte er im persönlichen Gespräch überzeugen und hat so die Stelle bekommen.
Quelle: zeit.de




















